Kunst ist die Liste der erfüllbaren Wünsche
Museum moderner Kunst. Die neue Museumschefin Karola Kraus ließ umbauen und eröffnet das Haus mit einer Art „Schnorreraktion“.
ERNST P. STROBL Wien (SN). Bei jungen Paaren scheint es das noch zu geben, dass man vor der Verehelichung eine Hochzeitsliste in einem teuren Haushaltszubehörladen auflegt, wo die schenkfreudige Verwandtschaft bereits vorher ausgesuchte Edelteile bezahlt und für die Erfüllung von Wünschen sorgt. Ähnlich zielgerichtet geht Karola Kraus vor. Die neue Direktorin des Museums für moderne Kunst Stiftung Ludwig in Wien (Mumok) hat ebenfalls ein paar Wünsche offen. Die neue Beziehung zu Österreichs herausragendem Musentempel der Moderne soll mit Geschenken untermauert werden, gefragt sind Sponsoren und Förderer – die Liste liegt auf. Gesucht werden Spender, die von 6000 Euro aufwärts ihre Börse öffnen, das teuerste Objekt steht auch fest. Es ist eine Tischlerplatte, 126,5 mal 126,5 Zentimeter, bemalt mit Kasein und Rostschutzfarbe. Titel trägt das Gemälde keinen, es kostet aber drei Millionen Euro und stammt von (Blinky) Palermo. Der als Peter Schwarze geborene Künstler ist 1977 auf den Malediven unter ungeklärten Umständen jung verstorben. Sein Oeuvre ist quasi vom Kunstmarkt verschwunden, was unter anderem das Bild so teuer macht.
„Museum der Wünsche“ nennt Karola Kraus nach dem Vorbild einer ähnlichen Ausstellung in Stockholm 1963 und im Ludwig Museum Köln 2001 ihre erste große Präsentation, in der hochkarätige Musterstücke aus der hauseigenen Sammlung gezeigt werden und dazwischen die 37 Objekte der Begierde. Schon vor Beginn der Ausstellung soll gesagt sein, dass rund ein Drittel bereits „gekauft“ wurde. Das lässt sich beim Rundgang an der Beschilderung ablesen. Mit weißen Tafeln sind die Sammlungsexponate beschildert, grau markiert ist die gewünschte Kunst, bereits von der Wunschliste gestrichen können die Werke mit den goldenen Tafeln werden. Ob es nun Heimo Zobernigs heller Acryl-Rhombus ist oder John Baldessaris bemalte Farbfotografien oder Ray Johnsons Briefe, ihre Exponate mit Goldtafel gehören nun dem Museum, und sei es als Dauerleihgabe.
Es ist hochinteressant zu sehen, was Karola Kraus und ihr Kuratorenteam ausgesucht haben. Die Wunschkunst reicht von Fotografien Otto Muehls aus seiner aktionistischen Phase bis zu grafischen Partituren von Anestis Logothetis, von einem Stuhl aus Beton und Stahl von Isa Genzken bis zu Franz Wests Papiermaschee-Objekten, von der rosa Möblierung eines „Living Room“ von Stephen Prina bis zum Ölgemälde Martin Kippenbergers, vom Video „marxism today“ von Phil Collins bis zur beeindruckenden Installation aus Fotos, Bildern und Sperrholzplatten des jungen Österreichers Christian Mayer. „Wir wünschen uns, dass die interessierte Öffentlichkeit sich mit unseren Angeboten beschäftigt und die Gunst des Neuanfangs nutzt, um sich in die Zukunft des Mumok aktiv einzuschreiben“, sagte Karola Kraus im Pressegespräch am Donnerstag.
Was ist sonst neu am Haus, das in einer Sommerpause umgebaut worden ist? Der Eingangsbereich wurde geöffnet, eine Treppe unter einer Tapete von Cindy Sherman führt ohne Umwege in den neuen, offenen Gastronomiebereich. Heimo Zobernig und Michael Wallraff haben im Untergeschoß ein Kino eingebaut, das jeden Mittwoch bespielt wird mit Kunst und Diskussionsmaterial. Und die Böden sind wie neu. Pro Jahr sind nun vier große Sonderausstellungen geplant, Claes Oldenburg soll die erste gewidmet sein. Ausstellung: Museum der Wünsche, bis 8. Jänner 2012. www.mumok.at




















