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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst | Biennale von Venedig  
10. Juni 2005
13:23 MESZ
Foto: AP/Lepri
Rocco Buttiglione

Kulturminister Buttiglione streut der Biennale Rosen und Beleidigungen
Würdigung bei Eröffnung steht zuvor geäußerter wilder Kritik an "Obszönität" gegenüber

Venedig - Als "Fotografie eines Momentes der Evolution von Kunst" würdigte der italienische Kulturminister Rocco Buttiglione die 51. Kunstbiennale in Venedig bei ihrer offiziellen Eröffnung am Freitag Vormittag - nachdem er zuvor im "Corriere della Sera" noch deutlich unfreundlichere Worte für die Biennale gefunden hatte.

In der Zeitung attackierte der Christdemokrat die angebliche "Obszönität" mehrerer Werke. "In vielen Werken dominiert die Versessenheit, religiöse Bilder zu entheiligen. Dies ist eine alte Sache. Wo ist die umstürzlerische Kraft? Wo ist die Provokation? Man sucht mit allen Mittel, für Skandal zu sorgen, dabei wird man von nichts mehr geschockt."

Buttglione und die Revolution(en)

Buttiglione weiter: "All dies ist veraltet. In den siebziger Jahren sprach man von sexueller Revolution, um die kommunistische Revolution zu unterstützen. Zum Glück ist der Kommunismus gescheitert, die sexuelle Revolution ist dagegen gelungen und hat ihr revolutionäres Potenzial verloren", so der Minister.

Buttiglione, seit eineinhalb Monaten neuer Kulturminister in Italien, kritisierte auch die geringe Anzahl italienischer Werke in den Biennale-Pavillons. "Es gibt keine italienischen Künstler. Dies ist ein provinzlerisches Zeichen und Ausdruck von Minderwertigkeitsgefühlen", sagte der Minister. Buttiglione verlangte, dass im kommenden Jahr ein Pavillon mit Werken italienischer Künstler veranstaltet werde. "Man darf keine Biennale mit ausschließlich Werken ausländischer Künstler organisieren."

Bekannter Fall

Buttiglione war ursprünglich als italienischer EU-Justiz- und Innenkommissar im Team von EU-Kommissionschef Jose Manuel Durao Barroso nominiert worden. Er musste jedoch wegen scharfer Polemik um seine homophoben und frauenfeindlichen Aussagen auf das Amt verzichten.

Eröffnungsworte von anderer Seite

Biennale-Präsident Davide Croff hob die Bedeutung der Ausstellungs-Festspiele als "prestigereichste Kunstveranstaltung in Italien und eine der famosesten der Welt" hervor. Die beiden Direktorinnen der 51. Ausgabe, die Spanierinnen Rosa Martinez und Maria de Corral, hätten "mit Enthusiasmus und Passion" eine "Polyfonie der Sichtweisen und Meinungen" versammelt, so Croff über das erste weibliche Führungsduo in der Biennale-Geschichte. Durch diese Vielfalt sei die Biennale ein "starker und freier Ort für zeitgenössische Kunst".

Martinez und de Corral haben in zwei internationalen Ausstellungen - "The Experience of Art" im italienischen Pavillon in den Giardini und "Always A Little Further" im Arsenale - zeitgenössische Kunst von den 70er Jahren bis Heute versammelt. In den Ausstellungen "sprechen wir zwei grundlegende Punkten an: Kunst und Freiheit", so Martinez bei der Eröffnung. (APA)


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