Das Reden über die Fotografie in Österreich geht häufig mit einem Seufzer einher. Die beiden Weltkriege hatten die Auslöschung einer bis dahin blühenden Tradition zur Folge, die neben herausragenden Figuren auch Ateliers und den Handel mit Fotografie umfasste. Die Nachkriegsjahre bedeuteten aufgrund der Emigra-tion zahlreicher Schlüsselfiguren auch auf dem Fotosektor einen radikalen Neubeginn. Nur langsam formierte sich eine neue Szene. Einen regelrechten Schub bekam die Fotografie ab Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger durch die Gründung von Vereinen und Produzentengalerien wie der Fotogalerie Wien, der Camera Aus-tria in Graz, der Salzburger Galerie Fotohof sowie der Galerie Johannes Faber in Wien. Letztere war über lange Jahre die einzige, die nach klassischem Kunstmarktverständnis exklusiv mit Fotografie handelte.
Umso erfreulicher, dass in den letzten Jahren fast auf einen Schlag
immer mehr Galerien gegründet werden, die sich dem Handel mit diesem
Spezialsegment der Kunst selbstbewusst und auf hohem Niveau
verschrieben
haben.
Agnes Reinthaler & Monika Obermeier: anika handelt
„Die Fotografie hat auf mich immer schon eine magische Faszination ausgeübt“, sagt Agnes Reinthaler. „Ich habe zwar Wirtschaft studiert, mich aber immer schon sehr für Kultur interessiert.“ Zusammen mit Monika Obermeier gründete sie 2008 die Firma „anika handelt“. Dass sie den Mut fassten, eine eigene Galerie für Fotografie zu gründen, war ein Entschluss, den die beiden Frauen, die zuvor als Ausstellungskuratorinnen in der Galerie Westlicht gearbeitet hatten, gemeinsam fassten.
2009 kam dann ein kleiner, feiner Galerieraum am Ottakringer
Yppenplatz hinzu, „weil es gerade bei hochpreisiger Fotografie wichtig
ist, dass sie auch sinnlich erfahrbar ist“, wie Reinthaler sagt. Die
Zielrichtung der Galerie spiegelt sich im Firmennamen. Während die
Verschmelzung der beiden Vornamen zu „anika“ das Gemeinsame
unterstreicht, signalisiert der zweite Teil klar die Intention,
kommerziell auf hohem Niveau zu agieren. Inhaltlich steht dabei eine
„künstlerische Fotografie mit stark dokumentarischem Touch“ im
Mittelpunkt: „Fotos, die vom Leben erzählen, weil uns das am Herzen
liegt. Was uns hingegen nicht interessiert, ist eine extrem inszenierte
Fotografie, bei der zufällig die Kamera benützt wurde.“ Neben dem
engagierten Ausstellungsprogramm ist ein Spezialprojekt die
Portfolio-Review Ende November im Kunsthalle-Wien-Project-Space – „eine
Art Speeddating, bei dem die Fotografen in einem 20-minütigen Gespräch
Gelegenheit haben, ihre Arbeit mit Experten zu besprechen“.
www.anikahandelt.com
Regina Anzenberger: Anzenberger Gallery
„Der Spiegel“, „Geo“, „National Geographic“, „New York Times“, „Le Figaro“ – namhafte Magazine sind Kunden der „Anzenberger Agency“. Im internationalen Agenturwesen ist der Name seit über 20 Jahren als eine der wichtigen Anlaufstellen eingeführt, wenn es um dokumentarische und Reportage-fotografie geht. Vor fünf Jahren hat Inhaberin Regina Anzenberger neben ihrer Tätigkeit als Kuratorin und Herausgeberin in den Räumlichkeiten in der Zeindlhofergasse die – ursprünglich internetbasierte – Plattform „Anzenberger Gallery“ etabliert. „Ich wollte eine Kommunikationsplattform haben“, sagt sie. Fanden anfangs zwei Ausstellungen pro Jahr statt, soll nun die Frequenz erhöht werden.
Ihre Programmatik beschreibt Anzenberger so: „Die Galerie steht für
eine Fotografie, die erzählend oder dokumentarisch ist und ein Konzept
hat.“ Mit der im Kunstbetrieb üblichen Trennung in künstlerische
Fotografie und Reportagefotografie kann sie wenig anfangen. „Man kann
nicht sagen, das ist Kunst, das ist nicht Kunst. Diese Trennung, die es
nur hierzulande gibt, ist in anderen Ländern längst obsolet: So
arbeiten etwa Fotokünstler in Osteuropa ganz selbstverständlich
parallel an Aufträgen, Büchern, Ausstellungen und auch
Langzeitprojekten. Das ist ein völlig anderes Verständnis der Branche.“
Für die Galeriearbeit interessiert Anzenberger vor allem diese
Schnittmenge. „Ich bin ein Kind von Magnum,“ sagt sie. „Die Fotografen
der Agentur Magnum verstanden sich als Fotografen, nicht als Künstler,
was aber nicht ausschloss, künstlerische Arbeiten zu machen.“
anzenbergergallery.com
Josephine Wagner: Galerie Raum mit Licht
„Ich zeige Künstlerinnen und Künstler, die mit Fotografie arbeiten.
Daher muss ich uns ja eigentlich als Fotogalerie bezeichnen“, sagt
Josephine Wagner von der Galerie Raum mit Licht in der Kaiserstraße.
„Allerdings wollten wir nie in Konkurrenz zu anderen Fotogalerien wie
Westlicht oder Faber treten. Die Fotografie, die wir zeigen, lässt sich
nicht auf Chemie beschränken. Die Künstler kommen aus einer anderen
Ecke – von der Kunst, Skulptur, Malerei. Sie beobachten, lichten ab,
analysieren und fügen in einem weiteren Schritt oft Text hinzu. Da geht
es viel um Raum, Licht, Interpretation.“
Vier Jahre ist es
her, dass Josephine Wagner ihren Job als Designerin an den Nagel
gehängt hat und als Programmverantwortliche in den vom Wissenschaftler
Gustav Ammerer entwickelten „Raum mit Licht“ eingetreten ist. „Ich habe
mich immer mit Kunst beschäftigt“, sagt sie. „Ausschlaggebend war für
mich aber die Begegnung mit dem englischen Künstler John
Hilliard,
den ich 2006 bei einem Vortrag an der Angewandten kennenlernen durfte“,
erinnert sie sich. „Er hat mir den Schlüssel in die Hand gegeben – auf
eine so nette Weise, dass ich verstanden habe, ihn ins Schloss zu
stecken. Da wusste ich, in welche Richtung es gehen soll.“
Heute
ist ihre Galerie Synonym für Konzeptfotografie und besetzt mit ihrem
strengen Programm eine Leerstelle in der österreichischen Fotoszene.
Die Künstlerliste umfasst arrivierte und junge internationale und
österreichische Positionen, darunter prominente Namen wie Victor
Burgin, John Hilliard, Friedl Kubelka, Edgar Lissel.
www.raum-mit-licht.at
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