

vergrößern 600x755Vom Westen klassifiziert und mit einer Reihe Falschheiten aufgeladen: "Indian(er) Jones" zeigt seine Schätze.

Wien - Nichts weniger als der Heilige Gral steht im Zentrum des Spielberg-Films Indiana Jones III. Wie in den drei anderen Teilen wird der Abenteurer und Wissenschafter auch auf der Suche nach dieser legendären Reliquie fündig. Außerdem bekommt das Publikum noch eine Reihe von Weisheiten mit auf den Weg: etwa, dass sich die Archäologie nicht mit der Wahrheit, sondern mit Fakten befasst, oder auch, dass der Schatz in ein Museum gehört.
In ihrer Ausstellung "... it belongs in a museum" stellt Lisl Ponger die von Dr. Jones verbreiteten Weisheiten zur Debatte, dem sie mit "Indian(er)" auch gleich einen neuen Namen verpasst. Dass Männer von seinem Schlage für die Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner verantwortlich waren, macht Ponger mit der Namensverkehrung auf beinahe schon humorvolle Weise deutlich - während sie mit den beiden inszenierten Fotografien Indian(er) Jones I und Indian(er) Jones II eine ernsthafte Recherche zur Einverleibung und Umwertung von (Kult-)Objekten betreibt.
Auf einer der beiden Fotografien lüftet "Indian(er) Jones" den Vorhang zu seiner Sammlung, die er in Kuriositäten, Artefakte, Trophäen oder auch Kunst eingeteilt hat. Am unteren Bildrand tauchen auf afrikanischen Masken und kleinen Skulpturen zudem die Namen Picasso und Baselitz auf. Beide Künstler sind für das Sammeln außereuropäischer Artefakte bekannt, die im europäischen Kontext neben wenigen Fakten auch eine Reihe aufoktroyierter Wahrheiten transportieren. "Fact or Truth" ist dementsprechend der Untertitel des zweiten Fotos, das die Hauptfigur beim Studieren einer Bildersammlung zeigt. Darunter befinden sich unter anderem Aufnahmen von Ponger, die die Objekte als globalisierte, nicht selten gefakte Güter ausweisen.
Von der Umwertung in exotische Dekorationsgegenstände erzählen in der spannenden Schau aber auch kleine Figuren, die die Künstlerin in Museumsshops erstand. Zu diesen gehört die Figur eines Indianers, der um seine eigene Achse kreist. Ponger, die sich in ihrer Auseinandersetzung mit Exotismen immer wieder auf den Ethnologen Michel Leiris (1901- 1990) bezieht, hat auch für dieses Objekt eines seiner professionskritischen Zitate parat: "I'd rather be obsessed than study obsessed people" steht auf dem Sockel geschrieben, wodurch die angeblich objektive Position des Betrachters auf ebenso kluge wie witzige Weise in ihr Gegenteil verkehrt wird. (Christa Benzer/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2011)
Bis 7. 5., Galerie Charim, Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien
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