Sammlung Essl: Mexikanische Moderne, bis 12. Juni
Über Mythen und Revolution
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer Die Sammlung Essl hat mit dem
Museo de Arte Moderno in Mexico City einen Austausch ihrer Sammlungen
arrangiert, wodurch erstmals an die 60 Gemälde der mexikanischen Kunst der
Moderne in Klosterneuburg präsentiert werden können.
Davon ist das großformatige Bild "Die beiden Fridas", das
Frida Kahlo 1939 für eine internationale Surrealistenausstellung gemalt
hatte, in der sie mit de Chirico, Picasso oder Dali vertreten war,
natürlich ein besonderes Hauptwerk, das auch zum Leitmotiv der Ausstellung
wurde, die noch bis 12. Juni läuft. Frida Kahlo (1907 bis 1954) und
ihr Ehemann Diego Rivera (1886 bis 1957) sind die Identifikationskünstler
der mexikanischen Revolution. Diego, vertreten mit mehreren bedeutenden
Gemälden, war der "Hauptmeister" der Wandmaler. Für die Ausstellung wurden
seine Fresken, die an öffentlichen Gebäuden in Mexiko zu finden sind,
gefilmt. Kahlo weist mit dem Bild der Verdoppelung des Selbst, im
europäischen Gewand und in der Nationaltracht, samt sichtbaren Herzen und
Blutkanälen auf die Frauenbewegung der siebziger Jahre voraus. Frida
Kahlos Generation wird auch durch Rufino Tamayo (1899 bis 1991) vertreten,
weniger bekannt sind Maria Izquierdo oder Manuel Rodriguez Lozano, die
ihre Volkskunst mit dem Surrealismus und der Pittura metafisica auf
originelle Weise verbinden. Zu den "murales"-Meistern zählen außer Rivera
vor allem José Clemente Orozco und José David Siqueiros, die mit berühmten
Bildern präsentiert werden. "Der Tyrann" und "Unser gegenwärtiges
Ebenbild" datieren bereits nach 1945 und fallen damit in eine Zeit, in der
eine wechselseitige Beeinflussung mit den abstrakten Expressionisten in
den USA stattfand. Zustande kam der Austausch durch europäische
Exilkünstler wie etwa Arshile Gorky. Neben diesen großen Namen sind
aber auch Entdeckungen zu machen, wie die Vulkane Gerardo Murillos oder
der grüne Jäger des Xavier Guerrero; in die lyrische Abstraktion wechseln
der späte Tamayo und Juan Soriano, von der jungen Generation sind
besonders Francisco Toledo und Lilia Carrillo mit jener Mischung aus
Autochthonem und Fremdem auffallend. Dieser spannende Einblick des
Kurators Luis-Martin Lozano wird von einem Katalog begleitet, in dem neben
den mexikanischen Expertinnen und Experten auch die österreichische
Außenministerin zu Wort kommt.
Erschienen am: 31.03.2005 |
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