Monokultur der Ausstellungen
Kunsthallenleiter Gerald Matt wertete das Ergebnis bei der Pressekonferenz am Freitag vor dem Hintergrund verschärfter finanzieller Bedingungen und der "Monokulturalisierung der Wiener Ausstellungslandschaft" als "ganz tolle Leistung". "Wir versuchen Identität zu zeigen und unseren Auftrag, Schaufenster für Entwicklungen zeitgenössischer Kunst zu sein, zu erfüllen."
Ein Schließtag
Zum Besucherrückgang beigetragen hätten auch die Deckelung der Subvention durch die Stadt Wien bei 3,9 Mio. Euro seit 1997 und der Wegfall der Bundessubvention seit fünf Jahren, auf die man seit 2004 mit der Streichung einer großen Ausstellung jährlich und der Einführung eines Schließtags reagiert habe, erläuterte Geschäftsführerin Bettina Leidl. Durch eine Konzentration auf junges Publikum, vor allem im project space, versucht man den Besucherschwund auszugleichen. Außerdem ist ein Wettbewerb für die Neugestaltung der Fassade der Winterreithalle und des Eingangsbereichs im Museumsquartier ausgeschrieben. Und Ende Juni soll die U-Bahn-Baustelle Karlsplatz beim project space fertig sein, der eine zusätzliche Plattform für Installationen und Kunst im öffentlichen Raum erhält.
Besonders positiv vermerkt Matt, dass die Kunsthalle sich 2005 als Plattform des öffentlichen Diskurses und als Ort der Produktion und des Exports etablieren konnte. Für die "massiv gesteigerte" Medienresonanz sind vor allem die Projekte "Kanak Attack" und die Ausstellung "Superstars" verantwortlich. Alle großen Ausstellungen wurden im Haus konzipiert und realisiert und zum Teil im Ausland übernommen. Strategisch setzt man weiterhin auf eine "Politik der Nadelstiche" mit einer Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst und der deutschen Ursula Blickle Privatstiftung.
Fotografie
"Gesellschaftliche Tiefenbohrungen" stehen auch 2006 auf dem Programm, Schwerpunkte sind die USA, Südafrika und Psychedelische Kunst. Ab 24. Februar kommt "Black, Brown, White. Fotografie aus Südafrika" ins Museumsquartier, gefolgt von "Drum. Fotojournalismus aus Südafrika" (ab 9.3.), parallel zu der dem afrikanischen Land gewidmeten Veranstaltung "Literatur im März". "Summer of Love" widmet sich ab 12. Mai der psychedelischen Kunst der 60er Jahre, fortgeführt ab 7. Juli mit der Präsentation der wiederentdeckten radikalen Künstlerinnen Dorothy Iannone und Lee Lozano. Der Herbst steht im Zeichen der USA, mit einer Raymond Pettibon-Schau ab 13. Oktober und einer Ausstellung amerikanischer Fotografie seit den 50er Jahren ("Americans") ab 3. November.
Als Beitrag zum Mozartjahr widmet sich ab 24. März eine Videokunst-Schau im Haupthaus dem Don Juan-Mythos. Im September ist der project space Schauplatz von Peter Sellars Projekt "Green Flame" mit der äthiopischen Kuratorin Meskerem Assegued im Rahmen von "New Crowned Hope". Weitere Projekte finden im Rahmen des Festivals Onda Latina (20.4.-4.6.) statt, darunter ein Buenos Aires Loop in der Ursula Blickle videolounge und die Schau Tania Bruguera im project space. Dort sind außerdem der brasilianische Künstler Eli Sudbrack ("alias assume vivd astro focus" ab 7.6.) und William Pope L. (ab 6.9.) zu sehen. (APA)