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Kunstberichte
Klosterneuburg Essl Museum zeigt eine Personale von Heimo Zobernig im Großen Saal

Die unklare Rolle des Vorhangs

Heimo Zobernigs "Ohne Titel" (1986) als Teil der formalen Genauigkeit. Foto: Archiv HZ/VBK Wien

Heimo Zobernigs "Ohne Titel" (1986) als Teil der formalen Genauigkeit. Foto: Archiv HZ/VBK Wien

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung In Klosterneuburg treffen die Superlativen aufeinander: Kiesler-Preisträger Heimo Zobernig gestaltet den Großen Saal des Essl Museums von Staatspreisträger Heinz Tesar. So ein Unterfangen "sprengt" den Kunstbegriff, obwohl die beiden als Künstlertypen alles andere sind als laute Superstars, die sich mit Skandalen in Schlagzeilen katapultieren. Die Lautstärke überlässt Zobernig lieber dem Musikprogramm, das Teil seiner ausgeklügelt gestalteten Personale ist und nicht nur Begleitung.

Der Saal ist zur Bühne geworden, mittig durch einen roten Vorhang von 30 Meter Länge geteilt wie verklammert. Selbst die darunter liegende Rotunde wird locker einbezogen, indem ein Vorhangstück vertikal bis hinunter die Rundung durchbricht.

Für Betrachter verwirrend bleibt das Davor und Dahinter, obwohl die Musiker zum Café zu ihren Auftritt haben, sind "backstage" 33 Stühle arrangiert. Allerdings nicht, um sich zu sitzend ins Werk zu integrieren. Ebenfalls hinter der Raum teilenden Vorhangklammer steht ein Drahtkäfig als Depot für Zobernigs Bilder aus der Sammlung Essl, die für Besucher zumindest teilweise sichtbar bleiben. Dazu ist ein Monitor mit dem Video "Heimo Zobernig erklärt seinem Double, wie man eine Performance macht" eingehängt, das 2008 im Mumok vorgestellt wurde.

Selbstzitat trifft auf Zitat

Auf der anderen Seite des Vorhangs sind Skulpturen oder kleine Modelle, also auch Zwitterwesen, auf Transportkisten positioniert. Die grünen Exemplare der Sammlung Essl korrespondieren farblich mit einigen aus Sperrholz, mehrere kleine Archiskulpturen sind schwarz – perfekte Farbharmonie kommt zu formaler Genauigkeit. Selbstzitat trifft Zitat nach der klassischen Moderne; bei Constantin Brancusi oder in der Fluxusbewegung mit Piero Manzoni waren Sockel schon gleichwertige Skulpturen. Die von Marcel Duchamp 1913 vollzogene Verwandlung eines Alltagsgegenstandes zum Kunstwerk, durch Umbenennung und Tarnung, wächst sich in der Generation Zobernigs zum Meta-Marcel oder Post-Polke aus, 40 Jahre nach Sigmar Polkes ironischen Kommentaren über die Moderne.

Mit jedem Gegenstand spannt der Künstler die Betrachter in eine Zeitspange ein, die Zobernigs Raumkonstrukte als Zustandsberichte von Kunst, Museum und gesellschaftlicher Haltung zum Künstler als besserem Eventmanager überdenken lässt. Als solcher hat uns Zobernig in den Rinderhallen von St. Marx auch zur Eröffnungsparty der Viennafair 2010 staunen lassen. Skepsis legt er über die Ironie – voran die Frage, wie gleichgültig Demokratien mit Kunst umgehen. Das bringt nach der Entauratisierung des Kunstwerks auch noch die Beliebigkeit mit sich.

Parallelwelten des Lebens

Die Kulisse zeigt die Parallelwelten auf, in denen wir uns befinden. 33 Stühle lassen an vergangene "Chair Events" der frühen Fluxusszene um 1960 mit George Brecht, George Maciunas, Nam June Paik und Joseph Beuys erinnern. Auch damals wurden auf Bühnen Musik und Performance verbunden, allerdings von den Protagonisten auch Klaviere und Geigen zertrümmert. Die beteiligten Möbel blieben Kunstrelikte fürs Museum. Zobernig überlässt den Mitakteuren die Bühne und perfektioniert lieber scheinbar Zweitrangiges zur Schau wie Layout aller Drucksachen bis zu Einladung, Katalog, Fahnen und Plakat. Der Künstler als Spieler aller Sparten hat sich vom randalierenden Genie auf eigener Bühne verabschiedet.

Aufzählung Ausstellung

Heimo Zobernig
Günther Oberhollenzer, Heimo Zobernig (Kuratoren)
Essl Museum
bis 13. Juni

 

Printausgabe vom Dienstag, 05. April 2011
Online seit: Montag, 04. April 2011 16:59:04

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