Unter seinesgleichen in der Künstlergesellschaft
erscheint er als eine Art "weißer Rabe". In jeder Hinsicht unangepaßt
agiert er aus einem Re-Agieren heraus. Zugleich nimmt er in seinem
sensitiven Operieren die Haltung eines Systemkritikers ein. Die Folge: Ein
heterogenes, aber zugleich in sich stimmiges, in Form seiner
Telekommunikationsprojekte weitgehend im Verborgenen bleibendes Werk.
Mit heimischen Kunstpraktiken und -manövern hat es wenig
zu schaffen, obwohl das Manövrieren mit zu Robert Adrians zum Teil
subversiven Taktiken zählt. Er stammt aus Toronto/Kanada, kam via London
nach Wien und begann dort sozusagen sein zweites Leben, das sein erstes
allerdings einschließt - auch darin, daß er, wie er sagt, schon früh nicht
so recht wußte, wo er als Künstler hingehöre. So bewegt er sich zwischen
den Linien.
Der Maler, Zeichner, Beobachter und Analytiker wandelte
sich mit der Zeit zu einem, der sich laufend neuen - nicht nur
künstlerischen Problemen stellte, weil er Lösungen als langweilig empfand.
Ein spielerisches Moment und die Lust am Schaffen von Objekten zwischen
Realität und Kunst blieb bestimmend, ehe er mit Computern zu arbeiten
begann.
Das von der Kunsthalle und ihrem Kurator Lucas Gehrmann
zusammengeführte Ensemble filtert aus dem Gesamtwerk vor allem jene
Komplexe aus, die eine optische, auf sublime Weise auch spektakuläre
Wirkung entfalten. Zum Beispiel den sozusagen auf den Kopf gestellten Raum
"Green Light" (1994). Mit ihm reagiert Adrian X (das Anhängsel "X" dient
als Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Kollegen Marc Adrian) auf
Manipulationen des Bedrohlichen, etwa während des Golf-Kriegs: Als eine
Art "Collage von Bildern und Geräuschen" sowie "von kulturellem Material,
von Erinnerungen, Geschichten und Medien".
Poetische Ironie
"Erinnerungen" (an die von ihm ausgeübten "24 jobs"),
"Geschichten" (etwa die mit "Great Moments in Modern Art"
zusammenhängende) und "Medien" (im Entwickeln von Netzwerken) verbinden
diverse Werk-Teile auch sonst. Poetische Ironie, das Vergnügen am Gleiten
entlang der Nahtstellen zwischen dem Banalen und dem kunstvoll
Vielschichtigen erweisen sich ganz allgemein als signifikant für einen,
den man auch als Philosophen unter seinesgleichen ansehen könnte.
Für seine Don-Quijote-artige, kämpferische Haltung
entwickelt er neue, die Mühlflügel ablösende Symbole: Eine seiner 76
"Airplanes" aus einer Installation kaschierter Modellflugzeuge bildet als
Kampfjet (sein Sound erfüllt die Installation "Green Light") das Logo der
Ausstellung. Von der "Marken"-Vermarktung bis zum Militärischen hält er
eine Menge von Anstößen bereit. "Kunst und Politik" bilden für Adrian X
einen Themenblock, der jene Klüfte öffnet, in die er sich auf seine Weise
gern hineinzwängt. Am 31. Jänner findet über "Künstlerische
Strategien im medienmilitärischen Komplex" ein Gespräch statt (19 Uhr).
Bis 10. Februar, täglich 10 bis 19 Uhr. Unerläßlich für ein
näheres Verständnis ist der hervorragend konzipierte Katalog.
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