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11.12.2001 - Ausstellung
Ein Kunst-Operateur zwischen den Linien
Robert Adrian X, 66, nimmt als Bürger und Künstler die verschiedensten Positionen ein. Die Kunsthalle Wien bezeugt sein weitreichendes Wirken im Rahmen einer ersten, umfassenden Retrospektive.
VON KRISTIAN SOTRIFFER


Unter seinesgleichen in der Künstlergesellschaft erscheint er als eine Art "weißer Rabe". In jeder Hinsicht unangepaßt agiert er aus einem Re-Agieren heraus. Zugleich nimmt er in seinem sensitiven Operieren die Haltung eines Systemkritikers ein. Die Folge: Ein heterogenes, aber zugleich in sich stimmiges, in Form seiner Telekommunikationsprojekte weitgehend im Verborgenen bleibendes Werk.

Mit heimischen Kunstpraktiken und -manövern hat es wenig zu schaffen, obwohl das Manövrieren mit zu Robert Adrians zum Teil subversiven Taktiken zählt. Er stammt aus Toronto/Kanada, kam via London nach Wien und begann dort sozusagen sein zweites Leben, das sein erstes allerdings einschließt - auch darin, daß er, wie er sagt, schon früh nicht so recht wußte, wo er als Künstler hingehöre. So bewegt er sich zwischen den Linien.

Der Maler, Zeichner, Beobachter und Analytiker wandelte sich mit der Zeit zu einem, der sich laufend neuen - nicht nur künstlerischen Problemen stellte, weil er Lösungen als langweilig empfand. Ein spielerisches Moment und die Lust am Schaffen von Objekten zwischen Realität und Kunst blieb bestimmend, ehe er mit Computern zu arbeiten begann.

Das von der Kunsthalle und ihrem Kurator Lucas Gehrmann zusammengeführte Ensemble filtert aus dem Gesamtwerk vor allem jene Komplexe aus, die eine optische, auf sublime Weise auch spektakuläre Wirkung entfalten. Zum Beispiel den sozusagen auf den Kopf gestellten Raum "Green Light" (1994). Mit ihm reagiert Adrian X (das Anhängsel "X" dient als Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Kollegen Marc Adrian) auf Manipulationen des Bedrohlichen, etwa während des Golf-Kriegs: Als eine Art "Collage von Bildern und Geräuschen" sowie "von kulturellem Material, von Erinnerungen, Geschichten und Medien".

Poetische Ironie

"Erinnerungen" (an die von ihm ausgeübten "24 jobs"), "Geschichten" (etwa die mit "Great Moments in Modern Art" zusammenhängende) und "Medien" (im Entwickeln von Netzwerken) verbinden diverse Werk-Teile auch sonst. Poetische Ironie, das Vergnügen am Gleiten entlang der Nahtstellen zwischen dem Banalen und dem kunstvoll Vielschichtigen erweisen sich ganz allgemein als signifikant für einen, den man auch als Philosophen unter seinesgleichen ansehen könnte.

Für seine Don-Quijote-artige, kämpferische Haltung entwickelt er neue, die Mühlflügel ablösende Symbole: Eine seiner 76 "Airplanes" aus einer Installation kaschierter Modellflugzeuge bildet als Kampfjet (sein Sound erfüllt die Installation "Green Light") das Logo der Ausstellung. Von der "Marken"-Vermarktung bis zum Militärischen hält er eine Menge von Anstößen bereit. "Kunst und Politik" bilden für Adrian X einen Themenblock, der jene Klüfte öffnet, in die er sich auf seine Weise gern hineinzwängt. Am 31. Jänner findet über "Künstlerische Strategien im medienmilitärischen Komplex" ein Gespräch statt (19 Uhr).

Bis 10. Februar, täglich 10 bis 19 Uhr. Unerläßlich für ein näheres Verständnis ist der hervorragend konzipierte Katalog.



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