Salzburger Nachrichten am 11. Mai 2006 - Bereich:
Winternitz-Retrospektive zum 100. Geburtstag

Adolfo Winternitz' Werk in die österreichischen Kunstgeschichte zu integrieren, ist eines der Anliegen der Ausstellung "Adolfo Winternitz. Ein Österreicher in Peru" im Wiener Leopold Museum vom 12. Mai bis 7. August. Diese erste umfassende Retrospektive des 1993 verstorbenen Malers in Europa steht ganz im Zeichen des EU-Lateinamerika-Gipfels, der derzeit in Wien stattfindet.

Rund 120 Gemälde aus über 70 Jahren künstlerischen Schaffens dokumentieren die Entwicklung des 1939 nach Peru emigrierten Österreichers. 1906 als Adolf Gustav Winternitz in Wien geboren, begann er bereits im Alter von 15 Jahren sein Studium der Malerei, Bildhauerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste. Während die Arbeiten der ersten Jahre noch von der Neuen Sachlichkeit geprägt waren, kam es nach Zwischenstationen in Florenz und Rom mit der Flucht nach Peru auch zum künstlerischen Bruch. Der zum Katholizismus konvertierte Jude verlieh seinen Bildern fortan kräftige und expressionistische Züge.

In den späten 50er-Jahren widmete sich Winternitz verstärkt religiösen Inhalten, seine Bilder wurden abstrakter. Sein spätes Werk sei zwar "gegenstandslos, aber nicht inhaltslos", wie Kurator Fuhr betont. Einen weiteren Schwerpunkt bildet eine Reihe von Selbstporträts, die den Maler von früher Jugend bis ins hohe Alter zeigen. Winternitz Repertoire reicht weit: Neben Radierungen und Holzschnitten sind auch Aquarelle bis hin zu schweren Ölgemälden im zweiten Untergeschoss des Leopold Museums zu sehen.

Winternitz gründete bereits 1940 die "Academia de Arte Catolico" in Lima, die heute ein Teil der Katholischen Universität ist. Als Lehrer sei Winternitz einem "völlig anderen Zugang" gefolgt. "Die Philosophie der Kunst war sein zentrales Thema, er unterrichtete nicht Stil und Form, sondern beschäftigte sich mit der Herangehensweise an die künstlerische Arbeit".