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Salzburger Nachrichten am 19. September 2006 - Bereich: Kultur
Schwarz sehen Das Haus der Kunst in München zeigt "Black Paintings" aus New York karl harbmünchen (SN). Wer schwarz sieht, sieht nicht nichts. Davon kann sich der Kunstfreund derzeit im Münchner Haus der Kunst überzeugen, wo Kuratorin Stephanie Rosenthal eine Serie von schwarzen Bildern (Black Paintings) von vier Ikonen der New Yorker Schule der vierziger und fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts versammelt. Die großen Räume erlauben eine großzügige Präsentation, der es nicht auf materialreiche Fülle ankommt, sondern auf höchste und intensivste Konzentration. Als sich New York anschickte, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg mit dem europäischen Zentrum der Kunst, mit Paris, um die Vormachtstellung der künstlerischen Avantgarde zu wetteifern, entstand mit dem Abstrakten Expressionismus eine neue, zentrale Richtung der Kunstgeschichte. Der Aufbruch entlud sich in gestischer Malerei von motorischer Energie, in einer neuen, dem Mystischen nicht abgeneigten Spiritualität, die "hinter die Dinge" blicken wollte, in einer anderen Sprache, die Reinheit und Erhabenheit zum Inhalt hatte. Das Durchspielen tradierter kunstgeschichtlicher Motive wurde obsolet, Form und Farbe, der Akt des Malens allein setzten die neuen Akzente. Hauptvertreter waren Ashille Gorky, Willem de Kooning, Jackson Pollock, Barnett Newman und jene vier Maler, auf die in der Münchner Ausstellung der Fokus des Interesses gelegt wird: Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Mark Rothko und Frank Stella. Wer schwarz sieht, sieht nicht nichts. Er muss nur den Blick schärfen, buchstäblich eindringen in das Dunkel des Bildes. Das kann auf subtile Weise geschehen, so dass man auf einer "glatten" Fläche verschiedene Dunkeltöne wahrnimmt, die sich auch aus anderen Farbtönen zusammensetzen, einem Blau etwa. Das kann auf stoffliche Art passieren, indem der Farbauftrag reliefartigen Charakter bekommt, also das Bild fast zum Gegenstand werden lässt. Das kann durch feinste Aufhellungen geschehen, die dann das Schwarz noch tiefer wirklen lassen oder - bei Stella - durch geometrische Muster, die Gliederungen und Schichten zulassen und damit den Blick führen und "beruhigen". Für die Künstler stehen die schwarzen Gemälde für Durchbrüche und Übergänge in ihrem Œuvre, für einen Wandel, der Klärung schaffen will. Nichts lenkt ab, und die Schwärze kann vieles berühren und bedeuten: das Nichts genauso wie die Tragik, die Leere wie die Verweigerung, die pure "Farblosigkeit" wie die vollendete Klarheit und Reife. Die asketische Münchner Präsentation öffnet die Räume für solche Fragen. Für jeden Künstler ist "nur" ein Raum reserviert, in ihm befinden sich jeweils nur fünf bis acht ausgewählte Gemälde. Dokumentarisches Filmmaterial und Fernsehporträts ergänzen die unspektakulär klare Schau, die mehr als nur einen "ersten Blick" braucht, um ihre Wirkung und Suggestion zu entfalten. In Zeiten der Bilderflut und Bilderwut sind derartige "stille" Ereignisse rar. Schon deswegen sind die "Black Paintings" in München sehenswert. Black Paintings, Haus der Kunst, München, bis 14. Jänner 2007. Mo.-So. 10-20 Uhr, Do. 10-22 Uhr. www.hausderkunst.de
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