

Salzburg - Irpen ist eine Stadt in der Ukraine. Atla ein Fluss in Estland. Und Súlur ein Berg im Norden Islands. Jede geografische Bezeichnung für sich war auch der Titel einer Ausstellung von Bertram Hasenauer.
Es sind jedoch keine Hinweise auf Regionen, allerhöchstens verweisen sie auf das Gefühl für etwas Fernes, für Orte, an denen man noch nie war, uns unvertraute Plätze, Blindstellen unserer Seelenlandkarten. Denn der in Berlin lebende Künstler Bertram Hasenauer (geb. 1970) meidet das Konkrete, das präzis Fassbare. Die Qualität seiner Bilder und Zeichnungen liegt genau in dieser Unbestimmtheit. Seinen Arbeiten der letzten zehn Jahre widmet das Museum der Moderne Rupertinum die konzentrierte Ausstellung Súlur.
Porträts macht Hasenauer keine, obgleich die Ausschnitte seiner, menschliche Figuren darstellenden Bilder es nahelegen. Und obwohl konkrete Porträtfotos den Ausgangspunkt für Hasenauers Arbeiten bilden, sind es, nachdem der Künstler sie transferiert, sie gleichsam in eine andere Wahrnehmungsebene hinübergeführt hat, dennoch keine real existierenden Figuren mehr. Vielmehr gleichen sie der gleißend hell überstrahlten Erinnerung an eine Person - oder vielmehr noch: einer Idee. Eine Idee, die nur diffuse Ahnung und Gefühl ist.
Den Künstler, u. a. Georg-Eisler-Preisträger 2008, interessiert das entindividualisierte Porträt, die Darstellung des Menschen unabhängig von Zeit und Alter. Bilder, die faszinieren. Statt beliebig zu sein, holt ihr zartes Zurücktreten den Betrachter ganz nah heran.
Dass Hasenauer sich diese zarte, fast irreale Wirkung seiner Gesicht, Augen und Haltung fokussierenden Bilder erst erarbeiten musste, illustriert der Auftakt der Schau mit Arbeiten aus dem Jahr 2000: Something is still the same titelt das Ganzfigurenporträt, das mit Jeans und Totenkopf-T-Shirt ein zeitlich und auch typtechnisch sehr fassbares Bild einer jungen Frau skizziert. Modische Details und Eigenarten haben zwar früher ihren Weg in die Arbeiten Hasenauers gefunden, aber die Botschaften, die damit transportiert werden, interessieren ihn nicht. Es geht ihm um die Ideen von einem Mädchen, Ideen von Jugendlichkeit, sagt Hasenauer über sein Bestreben, immer klarer und reduzierter zu arbeiten. "Heute würde ich solche Details nicht mehr zeigen, denn es erzählt schon wahnsinnig viel, gibt zu viele Anhaltspunkte."
Die formal immer gleiche Herangehensweise hilft dabei, diesen unbestimmten, fast indifferenten Ausdruck zu erreichen: Er betrachtet das Gesicht nicht als Einheit, sondern behandelt jede Gesichtspartie getrennt voneinander; er hat eine spezifische Technik für Haare, Augen und Haut.
Auch das Geheimnisvolle ist ein Moment, das Hasenauer interessiert und er mit der Gruppe der Rückenporträts, der sogenannten "verlorenen Porträts" , spannungsvoll steigert. Das Abwenden des Gesichts sorgt in diesen, alle mit All instant things are fading betitelten Arbeiten für zusätzliche Spannung. Verschwinden?
Präsent sein, obwohl sich die Physiognomie fast vollständig auflöst, ist das, was den Künstler in seinen jüngsten Arbeiten begleitet:"Die Farbe läuft heraus, und es entstehen ganz transparente Bilder." Neben dem hier immer wichtiger werdenden Weiß dominiert hingegen in seinen Landschaftszeichnungen, die er mit umgekehrten Scherenschnitten vergleicht, das Dunkle. Silhouetten kitzelt er heraus, indem er in zeitaufwändig und dadurch geradezu meditativer Art den Hintergrund strichelnd belebt. So kommt er zu geheimnisvoll glimmenden Ergebnissen. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 13.07.2010)
Bis 17. 7.
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