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MUMOK: Sammlung Costakis

Keine Angst vor Schwarz

Ljubow Popowas

Ljubow Popowas "Raum-Kraft-Konstruktion". Staatliches Museum für Zeitgenössische Kunst Thessaloniki

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aus dem staatlichen Museum in Thessaloniki wanderte die Schau "Licht und Farbe in der russischen Avantgarde. Die Sammlung Costakis" vom Berliner Martin-Gropius-Bau ins Wiener MUMOK wo sie bis 19. Juni präsentiert wird.

Jedes Museum der Welt würde sich diese private Kollektion ganz gerne "eingemeinden", die der leidenschaftliche Sammler George Costakis (1913 bis 1990) als Botschaftsangestellter der Kanadier in der Nachkriegszeit von russischen Avantgardekünstlern und ihren Nachkommen erwarb.

In der Zeit des sowjetischen Kunstdiktats in Sachen "sozialistischer Realismus" kaufte der Grieche aus dem Umkreis von Malewitsch, Tatlin, der Popova, Stepanova oder Rosanova, sowie El Lissitzky, Rodtschenko Kljuns, Puni und anderen für sein ganzes Gehalt; berühmte Europäer und Amerikaner besuchten ihn in seiner musealen Wohnung. Als er 1977 nach Griechenland zurückkehrte, durfte er einen Großteil seiner Sammlung ausführen – vor Ort gab es nach wie vor weder Interesse für noch Kenntnis über die Kunst der revolutionären Avantgarde nach 1900.

1977 und 1981 zeigte Costakis seine Bilder in Düsseldorf (Kunstmuseum) und im Guggenheim New York – die westliche Kunstwelt stand buchstäblich Kopf, die Kunstgeschichte wurde wesentlich ergänzt. 1990 erwarb der griechische Staat die Sammlung von den Erben und brachte sie in einem eigenen Bau in Thessaloniki unter. 300 Werke sind nun auf Reisen – vom Symbolismus über den Kubo-Futurismus zum Konstruktivismus; kuratiert haben Maria Tsantsanoglou, Miltiades Papanikolaou und in Wien Susanne Neuburger. Im Katalog des Dumont-Verlags in Köln sind viele neue Quellenschriften, konzentriert auf den neuen Umgang mit Licht, Farbe und technische Medien, zu finden (wie der Text von Malewitsch über "Weiss").

Interessant ist auch, dass vom Hauptmeister nicht nur ein rotes Quadrat, sondern auch ein schwarzes Rechteck zu finden ist, dazu sehr nahe stehend Ilja Tschaschniks "Suprematistisches Kreuz" (1923) und die Reaktionen von Solomon Nikritin auf Malewitschs Ausrufung der "nackten Ikone" in Schwarz. Iwan Kljun und Iwan Kudrjaschow experimentierten mit Luminiszenz und Bewegung. Costakis begann mit den symbolistischen Frühwerken, wovon er auch bei Malewitsch und Larionow fündig wurde, aber dazu sind die typischen kubo-futuristischen Werke von Ljubow Popova und den Hauptmeistern des Suprematismus mit Modellen, Fotos, theoretischen Blättern und Objekten vertreten. Neben den Einflüssen aus Italien und vor allem Paris begann mit dem Rayonismusmaifest eine eigene Ausrichtung.

Wie alle Avantgarden der klassischen Moderne ist diese gekennzeichnet von Nationalismus, dem Wunsch nach Kampf und Zerstörung, um Neues durchzusetzen. Der Glaube an diese Utopie war verbindend zwischen Kunst und Leben, voll von Syästhesien: die "Kristallwelten" scheiterten an Stalins Realpolitik und der Sammler Costakis stöberte die Werke im Untergrund wieder auf. Späteren Vorwürfen, er habe mit seinem Export Kunst "gestohlen", ist entgegenzuhalten, dass er Bilder aus Fenstern und Möbeln schnitt, um sie zu bewahren, sich auch um die theoretischen Schriften, das Theater und die Lehrpläne der Kunsthochschulen bemühte. In Thessaloniki ist also ein Teil der russischen Avantgarde bleibend beheimatet.

Mittwoch, 01. Juni 2005

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