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24.06.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
RAF-Ausstellung: Die Toten und die Bilder
VON PETER STUIBER
In Deutschland umstritten, demnächst in der Grazer „Neuen Galerie“ zu sehen: „Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung“ setzt sich mit den medialen und künstlerischen Reaktionen auf den Terror auseinander.

Die Vorgeschichte der Schau ist eigentlich schon Teil derselben: Vor rund zwei Jahren bereiteten die „Berliner KunstWerke“ eine Ausstellung zum Thema mediale und künstlerische Reflexion der Roten Armee Fraktion (RAF) vor, vom Berliner Hauptstadtkulturfonds wurden dafür 100.000 Euro Fördermittel zugesagt. Doch dann kam ein Konzeptpapier mit dem Titel „Mythos RAF“ an die Öffentlichkeit – und die (Springer-)Presse schoss sich gleich auf die Ausstellungsmacher ein, warf ihnen Verharmlosung oder gar Glorifizierung der Terrorgruppe vor, ohne dass Details der Schau bekannt gewesen wären.

Die finanzielle Zusage der Stadt wurde gestrichen, die Initiatoren mussten sich anderwertig umsehen. Geklappt hat es schließlich deshalb, weil zahlreiche namhafte Künstler Werke für eine Auktion zu Gunsten der Ausstellung zur Verfügung stellten. Im vergangenen Jänner wurde die Schau schließlich erstmals gezeigt, mit einem Titel, der ebenso raffiniert wie „verschwurbelt“ (FAZ) klingt – „Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung“.

Dass die Kuratoren Klaus Biesenbach, Ellen Blumenstein und Felix Ensslin (der Sohn von Gudrun Ensslin) angesichts der medialen Erregungen eine besonders einwandfreie „Vorstellungsausstellung“ hinlegen wollten, war klar.

Von Beuys bis heute. Zusammengetragen wurden unterschiedlichste Werke von rund 50Künstlern: Reflexionen über Joseph Beuys legendäre Aktion auf der documenta 5 (siehe Bild oben), Klassiker wie Sigmar Polke und Martin Kippenberger, aber auch zahlreiche Beispiele für eine junge Generation, die die Höhepunkte des RAF-Terrors selbst nicht erlebt hat.

Sicher zu den beeindruckendsten Werken zählt die monumentale Fotoserie „Die Toten“ von Hans Peter Feldmann, der die Opfer neben die Täter stellt. Nicht zu sehen ist Gerhard Richters berühmter Zyklus „18. Oktober 1977“, dafür Beispiele aus dessen Fotosammlung „Atlas“, eine Auslotung der Grenzen zwischen medialer Realität und künstlerischer Subjektivität. Neben den Kunstwerken führt eine „mediale Zeitleiste“ vor Augen, welche Bilder sich in den Köpfen der Medienkonsumenten festgesetzt haben (und die teils als direkte Vorlage für die Kunswerke dienten).

34 Tote, 230 Verletzte – die Bilanz aus fast 30 Jahren RAF ist erschütternd, das Kapitel in Deutschland noch immer Tabu. „Das alles hat gerade erst begonnen. Wir bewältigen weiter“, schrieb jüngst die „Süddeutsche“. Auch außerhalb des ehemaligen RAF-Kampfgebietes wird die Ausstellung für kontroversielle Diskussionen sorgen – selbst in der sommerlichen Kulturhauptstadt.

ZUR VORSTELLUNG DES TERRORS: DIE RAF-AUSSTELLUNG. 27. 6.–28. 8. 2005
NEUE GALERIE AM JOANNEUM, SACKSTRASSE 16, GRAZ, T 0316/82 91 55. http://www.neuegalerie.at/

 

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