Salzburger Nachrichten am 9. Mai 2006 - Bereich: Salzburg
Die Uhr mit elf Stunden

Für jene, die aufs Rathaus schauen, um die Uhrzeit zu erfahren, kann es nicht mehr zwölf Uhr werden. Das Ziffernblatt zeigt nur noch elf Stunden an.

Hedwig KainbergerSalzburg (SN). Die erste der zehn Interventionen aus dem Bereich bildender Kunst des Festivals "Kontracom" ist fertig: Die Uhr des alten Rathauses in Salzburg zeigt seit gestern, Montag, nur noch elf statt zwölf Stunden an.

Eigentlich hätte das Ziffernblatt erst am Montag angebracht werden sollen, doch wegen des schönen Wetters und weil alles so glatt gegangen sei, seien die Arbeiten bereits am Sonntag fertig geworden, berichtet Inge Brodil vom Büro "Mozart 2006", das "Kontracom" organisiert.

Die originale, vor kurzem restaurierte Uhr des Rathauses aus dem Jahr 1802 läuft wie bisher weiter. Nur ist zwischen den Zeigern und dem alten Ziffernblatt ein neues Ziffernblatt montiert. Diese Präzisionsarbeit vollbrachte der Salzburger Schlosser Bernd Lang mit Hannes Reisenhofer von der Salzburger Firma Felbermayer.

Auch die Zeiger laufen normal weiter, doch sind auf dem neuen, vorübergehend angebrachten Ziffernblatt nur elf, statt zwölf Stunden angeschrieben. Die in Zahlen ausgedrückte Zeit, die seit Montag vom Rathaus abzulesen ist, stimmt nicht mit jener von anderen Uhren überein, obwohl hier wie dort die Zeit gleichermaßen vergangen ist. Wird nun der Tag eine Stunde kürzer? Oder dauert eine Stunde länger?

Der Künstler, der den Einfall zur derartigen Veränderung der Uhr hatte, ist Markus Schinwald. Seine Arbeit für "Kontracom" nennt er "'11". Markus Schinwald, 1973 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet in Wien. Im Oberen Belvedere ist in der Ausstellung "Kunst fürs 20er Haus" derzeit ein Video von ihm zu sehen, das Lenbachhaus in München zeigt eine Marionette. Während des "steirischen herbst" 2006 ist er an einer Ausstellung im Kunsthaus Graz beteiligt.

Wer sich noch anderwärtig zum Nachdenken über Zahlen, Leben, Zeit und Lebenszeit inspirieren lassen will, kann im Museum der Moderne in der Ausstellung "Zero" die Zahlenbilder Roman Opalkas betrachten.