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KUNSTHALLE KREMS: Die Ausstellung "Die ungarische Seele" offenbart ein Präsentationsdilemma

Die kühle Atmosphäre verwehrt sich dem Pathos der Bilder

VON RAIMUND LOCICNIK

Die jüngste Ausstellung in der Kunsthalle Krems trägt den verheißungsvollen Namen "Die ungarische Seele". Etwas weniger verheißungsvoll, dafür zweckdienlicher ist der Untertitel "Romantik und Realismus im Land der Magyaren".

Beide Titelzeilen verweisen auf das Dilemma, in das sich Ausstellungsmacher immer häufiger verwickeln, besonders wenn es um die Präsentation europäischer Kunst des 19. Jahrhunderts geht. Soll man die Gefühlswelt dieser Zeit vermitteln oder die stilistisch-technische, ja vielleicht gar die nationale Entwicklung dieser Malerei? Letzteres ist mit gut gewählten Werken und Vergleichen möglich, Ersteres ohne Inszenierung und intensive Kunstvermittlung wohl schwer. Die Betrachter der gesättigten, technisierten, bequemen Gegenwart sind größtenteils nicht mehr in der Lage, sich in jenen seelischen, melancholischen, ideal-romantischen Tiefgang zu versetzen, der die Maler und Dichter der Romantik und des Biedermeier bis in die tiefsten existenziellen Abgründe führte. Was bleibt, ist allenfalls ein oberflächliches Geschmacksurteil und das Staunen über die Virtuosität der Künstler - ob ungarisch oder anderswoher. Wenngleich viele Gemälde der Kremser Ausstellung tatsächlich in den Bann zu ziehen vermögen, verwehrt sich doch die kühl designte Atmosphäre der Kunsthalle, speziell mit dem unglücklich-unromantisch gewählten, monochrom orangen Hintergrund, dem Pathos, der Tiefe und der unendlichen Gefühlstrunkenheit der vorgestellten Bilder.

Info: Bis 11. Februar 2007, täglich 10-18 Uhr, Winter bis 17 Uhr.

Sándor Wagners "Siebenspänner in Debrecen" um 1897 Foto: loc


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