



Es ist die Lichtbrechung, die Alex Katz interessiert: In "Olympischer Schwimmer" (Siebdruck, 1976) sorgt gleißendes Licht für Reflexe im nassen Haar des Sportlers.

"Reclining Figure / Indian Blanket" (Aquatinta, 1987)


Wird im kommenden Monat 83 Jahre alt: Alex Katz
... in dem einige Landschaften zu überraschen vermögen.
Wien - "Wien ist flach", sagt Alex Katz, um auf Nachhaken von Standard-Autor Michael Freund beim Künstlergespräch in der Albertina zu präzisieren: "Na ja, Wien ist keine vertikale Stadt." Aus der Sicht eines New Yorkers eine nachvollziehbare Erkenntnis. Aber man könnte sich dazu hinreißen lassen, sie aus der Perspektive des King of Cool-Painting als Kompliment zu verstehen. Denn: "Die Oberfläche ist das Wichtigste in meinen Gemälden", erklärt der 1927 in Brooklyn als Sohn russischer Einwanderer geborene Künstler.
Keine Erregung soll sich in Katz' Bildern mitteilen. Sie zeigen stets Außen- und niemals bewegte Innenwelten. Der Pre-Pop-Artist war, so Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, ein Meilenstein für die Kunst seiner Zeit: Seine der Fläche verpflichteten druckgrafischen Porträts kann man als Vorläufer der knallbunt kolorierten Promi-Konterfeis von Andy Warhol verstehen. Und Katz' Verwendung von Cartoons beeindruckte Roy Liechtenstein.
"Die Gesichter, die Alex Katz vor diesen flachen Kulissen auftreten lässt, oder Ada (Anm.: Katz' Ehefrau) sollen ewig jung bleiben", schreibt Kunsthistoriker Werner Spies im Katalog, "Schön, unverletzlich, alterslos wandert Adas Gesicht von Bild zu Bild, von Blatt zu Blatt." Schröder ist seit langem erklärter Katz-Fan. Ausgelöst vom Druckgrafikboom Mitte der 1960er experimentierte Katz intensiv mit den grafischen Techniken.
Katz' druckgrafisches Werk dokumentiert die Albertina mit 150 repräsentativen Blättern. Im vergangenen Herbst vermachte Katz dem Haus sein gesamtes druckgrafisches OEuvre. Eine enorme Schenkung, die Schröder bereits ans Bostoner Museum of Fine Arts verloren glaubte. Nur zwei Blätter von fast 500 fehlen. Noch. Denn man ist bemüht, diese aufzutreiben. Ein Angebot musste die Albertina allerdings schon ausschlagen: 25.000 Dollar hätte das Blatt gekostet. Unleistbar.
Zum Vergleich: Im Mai versteigerte Sotheby's New York für umgerechnet 361.000 Euro eines von Katz' unterkühlten großformatigen Porträts in Öl - Blue Hat (2003): Ein Motiv, das in der Ausstellung als querformatiger Aquatinta-Druck zu sehen ist. Auch dieses Bild einer Frau mit gepunktetem Kopftuch erzählt "nichts, was jenseits des Gesichts oder der Landschaft ist", so Spies.
Diese Reduktion auf Oberflächen, die Strenge und Kühle, die nicht psychologisiert und sich oft auf Mode (Kleidung, Brillen, Hüte) und Design bezieht, scheint Katz' Leben zu entsprechen: ein New Yorker Bohemien, der sich ab und zu in sein Haus in Maine zurückzieht. Ganz extrem huldigt Alex Katz dem Flachen in seiner Serie Pas de Deux (1994), deren Protagonisten scheinen dem Bestseller American Psycho entsprungen: Wallstreet-Broker posieren mit ihren High-Fashion-Bräuten.
Auf der anderen Seite gelingt es nur der glatten Oberfläche, das Licht zu verführerischen Reflexen einzuladen: Es ist spannend, diesem formalen Aspekt in Katz' Werk zu folgen; dem abstrakten Linienspiel, das er mithilfe von Licht und Schatten auf Brillengläser, Haut oder Haare zeichnet.
Seine Reduktion auf Umrisse und elementare Formen steigert sich in seinen zahlreichen Landschaftsbildern ins geradezu Ungegenständliche. Am Wasser gespiegeltes Licht wird zur Linie im flächigen Blau, Hochhausfenster zu diffusen Quadraten im Abendrot und Zelte zu orangen Rechtecken im nebligen Grün. Sehenswert auch seine famosen, dem Kontrast huldigenden Linolschnitte. Auch das ist Katz. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2010)
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