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vom 28.10.2010 - Seite 023
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Kommentar
von Peter Grubmüller
Hitler im Museum
Nach der Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers" 2009 in Linz hat sich die Frage "Ja darf man das?" nach Berlin zur Schau "Hitler und die Deutschen" verzogen. Die Antwort ist sowohl für Linz als auch für Berlin die gleiche: Man darf nicht nur, man muss sogar - denn wer sich an die Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Und was bedeutet Hitler hinter Glas schon gegen Hitler hinter Schädeldecken?
Der einzig zulässige Diskussionpunkt ist: Wie bildet man den Wahnsinn ab? Hitler, der schlachtende Teufel, der Irre vor Leichenbergen? Das wäre grundverkehrt, weil Hitlers Charakter auf eine Gesellschaft traf, die ihn legitimierte. Das Volk döste in dem Glauben, dass Nationalität und Rasse alles bedeuten, im Krieg offenbare sich dann das tierische Recht des Stärkeren. Es bedurfte nur mehr der heute protzig wirkenden Mittel der Propaganda, um daraus ein Wir-Gefühl zu weben, das sich über ein ganzes Land breitet.
Nur wer von den subtileren Mechanismen der bedenklichen Verführung erfährt, kann sie auch entlarven. Erst recht in einer Zeit, in der uns die Kriegs-Erlebnisgeneration abhanden kommt.
E-Mail: p.grubmueller@nachrichten.at
Eine wichtige Schau, um die Verführung zu begreifen.
Eine wichtige Schau, um die Verführung zu begreifen. |