Bregenz
(VN-cf) Nach einem erfolgreichen Anlauf der
Sommerausstellung "Medium Berge 2002 - Das Mallory-Projekt" könnte
jetzt ein Kampf um ein Kunstwerk, das in diesem Rahmen aufgestellt
wurde, beginnen. Die Rede ist von Gottfried Bechtolds Arbeit am
Silvrettasee.
Der Vorarlberger Künstler, der spätestens seit seiner
Teilnahme an der "documenta 5" internationales Ansehen genießt, ist
einer der 20 Künstler, die Kurator Oscar Sandner für diese
Sommerausstellung auswählte. Bechtold realisierte mit der "Skulptur
im Gebirge" ein bereits vor Jahrzehnten entworfenes Projekt.
Die beiden Steinbrocken aus dem Atlasgebirge wiegen über 20
Tonnen - ein entsprechender finanzieller Aufwand ist denkbar. Die
Signatur zu dieser Skulptur befindet sich auf der Staumauer des
Silvrettasees. Bechtold sieht darin nicht die Verdeutlichung der
Urheberschaft seiner Arbeit, er erhob die Mauer zum Kunstwerk und
unterzeichnete sie stellvertretend für jene Menschen (darunter
zahlreiche Zwangsarbeiter), "deren Arbeit als Megaleistung an
Kreativität vor uns steht".
Die Ausstellung ist bis Ende September geplant. Kurator Sandner
kam mit den Vorarlberger Illwerken jedoch zu dem Ergebnis, die
Skulptur und die Signatur fünf Jahre lang stehen zu lassen. Der
dritte Verhandlungspartner - das Amt für Landschaftsschutz an der
Bezirkshauptmannschaft Bludenz - spricht jedoch im Moment nur von
der Dauer der Ausstellung. "Wir als Naturschutzbehörde haben keine
Freude, wenn in einer geschützten Alpinregion eine Veränderung
jeglicher Art vorgenommen wird", so Mag. Heingärtner vom
Landschaftsschutz Bludenz. "Trotzdem haben wir die Skulptur von
Gottfried Bechtold bewilligt, und daran wird sich bis zum Ende der
Ausstellung auch nichts ändern", so Heingärtner. Ob die Skulptur
also wirklich fünf Jahre lang aufgestellt bleibt, ist demnach noch
offen.
"Ein Wahnsinn"
Für Kurator Sandner wäre es "ein Wahnsinn", wenn dem
nicht so wäre. Allein die Kosten des Projekts sprächen für einen
längeren Ausstellungszeitraum. "Ich glaube, dass sich Vorarlberg
unendlich lächerlich machen würde, wenn man so eine Skulptur nach
zwei Monaten wieder abbrechen würde", so Sandner. "Das würde über
Österreich hinausschlagen, da bin ich mir sicher", meint der
Kunstkurator, der schon über 50 Ausstellungen gemacht hat.
"Das Groteske an der Sache ist, dass sich diese Ausstellung gegen
Tourismus und gegen die Inbesitznahme der Berge wendet", erklärt
Sandner. Im Vergleich zu einer Staumauer findet er die Signatur und
die Skulptur Bechtolds als sehr geringen Eingriff in die Natur.
"Sollen sich die lächerlich machen, die sich lächerlich machen
wollen", meint Kunstkurator Sandner.
Wir haben die Skulptur bewilligt, und daran wird sich
bis zum Ende der Ausstellung auch nichts ändern.
MAG. HEINGÄRTNER
Göpfs 20 Tonnen schwere Skulptur trägt den Untertitel "Allah ist
groß".
(Foto: VN/Zellhofer)