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27.06.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Essl: Baden-Spanien, das ist Brutalität!
VON JOHANNA HOFLEITNER
AUSSTELLUNG. Der Concours Rainer gegen Tàpies in der Sammlung Essl beeindruckt.

Antoni Tàpies hat sich nicht geziert und "seinen" Rainer zur gemeinsa men Ausstellung nach Klosterneu burg mitgebracht. Mit so einer Geste kann Arnulf Rainer leider nicht aufwarten, weil er sich, wie er kürzlich verlauten ließ, einen Tàpies nicht leisten kann.

Stattdessen aber hält er dem Kollegen in der von der Sammlung Essl aus- und vom Kurator Jean Frémon eingerichteten Two-Men-Show gehörig entgegen. Rainers großformatige Foto-Übermalung "Ohne Titel" (1979) aus dem Besitz von Tàpies hängt gleich am Anfang einer beeindruckenden Two-Men-Show zweier Grands Seigneurs der europäischen Kunst des späteren 20. Jahrhunderts, die ansonsten ganz aus Esslschen Sammlungsbeständen rekrutiert ist. Umgeben ist sie von einer monumentalen "Parentesis" und einem bronzenen Tür-Objekt des katalanischen Materialkünstlers sowie zwei Hauptwerken des Badeners: einer frühen "Übermalung Schwarz auf Olivgrün" und einer kraftvollen "Body-Pose".

Baden versus Katalanien. Die Kombination geht wunderbar zusammen und birgt mehr Spannung als erwartet. Und das verdankt sie hauptsächlich dem Händchen, das Jean Frémon, Leiter der Pariser Galerie Lelong, beim Hängen gezeigt hat.

Die Aussicht allein nämlich auf eine angeblich verbindende "Geheimnisträgerei" der beiden ziemlich gleichaltrigen Künstler, wie sie der Kurator mit dem Titel suggerieren möchte, wäre so berauschend nicht gewesen - bei aller in beiden Fällen unbestreitbar vorhandenen mystischen, meditativen, kontemplativen und archaischen Kraft. Diese Spannung also fängt an bei den Kombinationen, die sich Frémon für die einzelnen Räume ausgedacht hat und die nicht bloß inhaltlichen, sondern auch visuellen Kriterien folgen, geht über perfekt komponierte Wandarrangements. Und hört auf bei einer subtilen Rhythmik der Hängung, die den Betrachter gleichermaßen zur Kunst hinleitet wie sie ihm gedankliche Freiräume lässt.

Zum Beispiel Raum 4, wo die "Malerische Geste" in allen möglichen Facetten abgehandelt wird: An der Schmalseite vier pastose Finger-Malereien Arnulf Rainers aus den frühen Achtzigern, eine davon explizit "Fingerschmierereien" genannt. Vis-à-vis davon der große Messerschmidt-Zyklus? aus 1975/76, in dem Rainer die Malerei der Skulptur, Zeichnung und Fotografie gleichermaßen überstülpte. Dazwischen drei starke Materialtafeln von Antoni Tàpies mit Darstellungen von Stuhl und Schlange. Und ihnen gegenüber noch einmal ein Rainer-Block von reduzierten "Vertikalgestaltungen" und "Zentralkompositionen", alles Schlüsselwerke aus den Fünfzigern. Hier fast Zierlichkeit, die aber in der Überzahl; dort geballte Materialpräsenz, wohl dosiert zum Einsatz gebracht. Dieser feine Mix reflektiert raffiniert das Verhältnis von Emotionalität und Intellektualität, wie sie für die Kunst von Rainer wie Tàpies typisch ist.

Ein zweites spannendes Exempel über besucherfreundliche Kunstpräsentation statuiert die Sammlung im obersten Geschoß. Zu sehen sind 41 großteils neu angekaufte Skulpturen von Wotruba, West, Balkenhol bis Meese, Quinn, Fox. Die Auswahl konzentriert sich auf Figurendarstellungen. Eine clevere Ausstellungsarchitektur des Wiener Architektenteams "propeller z" aus kniehohen grünen Kreisen und Kreissegmenten lädt die Besucher zum Sitzen ein und lockt sie nah an die Kunst heran.

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