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100 Millionen Porzellan-Samen als Riesen-Kunstwerk

12.10.2010 | 12:44 |  (DiePresse.com)

Der chinesische Künstler Ai Weiwei sorgt mit einer Mega-Installation in London für Aufsehen: Millionen handbemalte Sonnenblumen-Kerne bedecken 1000 Quadratmeter Boden der Tate Modern.

Es ist ein gigantisches Kunstprojekt: 100 Millionen handgefertigte Sonnenblumen-Kerne aus Porzellan bedecken den Boden der Kunsthalle Tate Modern in London, 1000 Quadratmeter sind es insgesamt. Die Installation mit dem Titel "Sunflower Seeds" stammt von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei.

Das Kunstwerk ist eine Auftragsarbeit für die Unilever-Serie der Londoner Kunsthalle Tate Modern. Seit zehn Jahren wird dort - gesponsert vom Konzern Unilever - einmal jährlich ein Auftrag für einen Installationskünstler vergeben, der die Turbinenhalle füllt. Der Besuch der Installation ist kostenlos. Am Dienstag, dem 12. Oktober öffnet sie ihre Pforten. Sie dauert bis 2. Mai 2011. 

Die Vorbereitungszeit war lang: Zwei Jahre waren bis zu 600 Kunstarbeiter in der chinesischen Porzellan-Stadt Jingdezhen mit der Fertigung der künstlichen Sonnenblumenkerne beschäftigt. Jeder einzelne Kern wurde bei 1300 Grad Celsius gebrannt, handbemalt und erneut bei 800 Grad gebrannt.

Mao Zedong als Sonne für das Volk der Sonnenblumen

Den Sonnenblumenkernen komme in der jüngeren Geschichte der chinesischen Kultur eine besondere Bedeutung zu, erklärte der Künstler der britischen Tageszeitung "The Guardian" seine Installation. Während der Kulturrevolution sei Mao Zedong mit der Sonne und die Bevölkerung mit Sonnenblumen verglichen worden, die zu ihm aufschauen. Die Kerne seien in Zeiten des Hungers aber auch willkommener Nahrungslieferant gewesen, so Weiwei, der zu den prominentesten Regimekritikern in China zählt.

"Wir erwarten mindestens zwei Millionen Besucher", sagte Kuratorin Juliet Bingham am Montag. Nach Ende der Schau in London sollen die 150 Tonnen Porzellan-Samen zurück nach China gebracht werden. Das Museum bittet die Besucher jedenfalls, keine als Souvenir mitzunehmen.

Mehr als Durchschnitts-Gehalt

"Vielleicht werde ich sie kochen", sagte Weiwei scherzhaft auf die Frage, was er dort mit ihnen vorhat. "Und dann sehen, ob ein neues Projekt daraus wird", so der 53-Jährige.

Die Mitarbeiter der Porzellan-Fabrik in Jingdezhen hätten jedenfalls bei ihm schon angefragt, wann er sein nächstes Projekt startet. Wohl aber nicht aus künstlerischen, sondern aus ökonomischen Gründen, denn der Künstler zahlte ihnen mehr als das übliche Gehalt.

 

 


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