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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst | Ars Electronica 2004 
29. August 2004
16:47 MESZ
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John Gerrard

 
Medienkunst bald "Teil des regulären Kunstmarktes"
John Gerrard: Künstler müssen sich ihrer kunsthistorischen Bedingungen bewusster werden

Linz - Computer-basierte Medienkunst soll sich, ohne ihre Nähe zum Entertainment oder zur Forschung zu verleugnen, ihrer kunsthistorischen Bedingungen bewusster werden und einen Weg in den regulären Kunstmarkt suchen, betont der irische Künstler John Gerrard, heuer Siemens Artist in Residence der Ars Electronica. "Das Kunstgalerien-System hat sich in der Vergangenheit als erstaunlich wandlungsfähig gezeigt, sie haben Fotografie und Video-Kunst aufgenommen. Derzeit beginnen sie, auch computerbasierte Kunst verstärkt zu bemerken. In ein paar Jahren wird Medienkunst ein Teil des regulären Kunstmarktes sein", so Gerrard im Gespräch mit der APA.

Gerrard beschäftigt sich mit der Verwendung von Echtzeit-3 D-Berechnungen in der bildenden Kunst. Für die heurige Ars Electronica-Ausstellung hat er ein "Watchful Portrait" seiner Freundin Caroline erstellt: Zwei Bilderrahmen auf einem Regal, die das dreidimensionale Bild einer Frau zeigen. Die Rahmen sind beweglich, je nach Blickwinkel zeigen sie Caroline mal von vorne, mal von der Seite. Jeweils eines der beiden Gesichter hat die Lider geschlossen, das andere folgt mit den Augen dem Gang der Sonne bzw. des Mondes. In dem Holzregal, auf dem die beiden Bilderrahmen stehen, sind Laptops verborgen - das ganze ist fertig zum Verkauf.

Dreidimensionale Porträts

Mit seinen 3 D-Objekten sieht sich Gerrard als Teil der Kunstgeschichte. Dreidimensionale Porträts "sind zwischen Fotografie, Bildhauerei, Malerei und Videokunst angesiedelt" und an einem "verwischten Punkt zwischen Virtualität und Realität", schilderte der irische Künstler. Die "kunsthistorische Einordnung ist der Medienkunst eine Zeit lang abgegangen", so Gerrard. Viele Künstler hätten sich nicht als Teil einer künstlerischen Entwicklung gesehen, die auch Vorläufer hat. Viele künstlerische Arbeit in der Medienkunst sei aus der Forschung heraus entstanden, so Gerrard, der selbst aus der bildenden Kunst gekommen ist.

Dies ändere sich derzeit, da der erreichte Stand der Technik zunehmend Leuten mit weniger technischem Verständnis erlaubt, Medienkunst zu kreieren. Auch der Dialog zwischen Künstlern und Wissenschaftern wird immer besser, "und das Ars Electronica Futurelab ist das beste Beispiel dafür", so Gerrard. Durch geringere technische und kommunikative Barrieren werde auch in der Kunst immer mehr kooperiert. "Das Modell des einsamen Künstlers verschwindet zunehmend. Medienkunst-Projekte sind heute fast wie Filmproduktionen", mit verschiedenen Spezialisten für verschiedene Bereiche. "Heutzutage ist es schon außergewöhnlich, nicht mit diesen Medien zu arbeiten". (APA)


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