Galerie Johannes Faber: Araki und Baumgartner
Magische Bilder der Psyche
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Den Japaner Nobuyoshi Araki kennt man in Europa als
obsessiven Fotografen seiner Heimat Tokyo, wobei scheinbar gequälte,
gefesselte nackte Frauen und ein seltsames Spiel mit Echsen und
Stadtlandschaften besonders präsent sind. Daneben sind die poetischen
Wolken- und Himmelslandschaften, die er nach dem Tod seiner Frau (auch
sein Modell) 1990 in Serie erstellte oder die romantisch erotischen
Blumenstudien (Fotogravuren) eigentlich eine Ausnahme im Werk des 1940
geborenen Künstlers, der in seiner Heimat wie ein Popstar gefeiert wird.
Seine Aussage: "Meine Frau ist verstorben, ich habe nur den Himmel
fotografiert" spricht aber schon mehr über diese Werkgruppe aus. Dem
Star wird die bekannte Wiener Bildhauerin und seit Jahren ausschließlich
Fotografin Elfriede Baumgartner mit ihren Farbstudien fleischfressender
Pflanzen und den schwarzweißen Gargoyles, Aufnahmen gotischer Wasserspeier
an Kathedralen, gegenübergestellt. Die Obsessionen liegen deshalb gar
nicht so weit auseinander: Vor allem die hinter Glaslinsen montierten, bei
Nacht aufgenommenen grotesken Mischwesen der Wasserspeier, in der
Verzerrung ihrer ohnehin schon seltsamen Perspektive, ergeben neben einer
neuen Betrachterebene auch einen hohen Grad an Originalität. Der
nächtliche Raum hinter den in langer Belichtung ohne Blitz eingefangenen
Tiermischwesen lässt sie als magische Urformen (der Psyche?)
wiedererstehen. Die Zucht von carnivoren Pflanzen auf ihrem
Fensterbrett regen die Fotokünstlerin zu weiteren Experimenten mit einer
Linse zwischen Kamera und Objekt an; Abweichungen, Unschärfen und
absichtliche Abbildungsfehler erzeugen auch hier zwitterhafte, wilde Wesen
von eigenartiger Fremdheit. Der Meisterschaft im Zulassen von scheinbaren
Fehlern steht die Vanitas- bis Nekrophilie-Neigung des Japaners gut zur
Seite. Zwei die über die Ränder bürgerlicher Existenz in magische Abgründe
der Psyche blicken.
Erschienen am: 04.03.2002 |
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