Salzburger Nachrichten am 07. Dezember 2001 - Bereich: kultur
Lange schon der Zeit
voraus
Das Werk von Robert Adrian X in der Kunsthalle Wien
Robert Adrian X ist im Internet bekannter als im Galerien- und
Museumsbetrieb. Als Pionier der Telekommunikations-Projekte war er
derjenige, der einen Pool junger Leute um sich scharte aus jener
Künstlergeneration, die heute "Medienkünstler" von Rang sind.
Der Kanadier, der schon sehr lange in Wien lebt, lernte eigentlich
von seinen Eltern, die auch Künstler waren, und begann als Maler. Er trat
mit Objekt-Installationen ins Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit.
Seine spielerisch wirkenden "Job-Sammlungen", die Segelboote und Flugzeuge
(Kriegsspielzeug, das, mit Kriegsberichten oder Kriegscomics "tapeziert",
zum "Dekor" wurde) zeugen von ausgeprägtem politischen Bewusstsein.
War das gesellschaftspolitische Engagement in der Objektphase noch in
einen aktuellen Kunstkontext gut integrierbar, so verließ Robert Adrian X
durch die Gründung von Initiativen wie "BLIX" den Raum der etablierten
Künste. Er beschäftigte sich mit Überwachungssystemen in der U-Bahn, mit
Sound- und Testprojekten und politischen Recherchen.
Sein größtes Interesse bestand darin, im Medienbereich künstlerisch
auszuprobieren, ob mit dem Blick hinter die Kulissen die Mediensysteme
nicht transparenter zu gestalten wären. Robert Adrian X ist ein früher
Vertreter der "Institutionenkritik". Ob mit Objekten, als Textcollage oder
in Form von Recherchen (z. B. über den Verbleib, Verkauf bzw. Raub von
Kulturgü-tern) begab er sich in ein heute als eigenständige "Kunst"
ausgewiesenes Feld, das aber vor 20 Jahren noch befremdlich wirkte. Sogar
wenn es ihn zur Fotografie zog, blieb er konzeptuell: Er fotografierte
Glühbirnen und Taschenlampen sowie deren Spiegelungen - er musste eben
immer etwas ausleuchten.
In seinem Werk ging es nicht darum, etwas Neues zu kreieren,
sondern neue Ordnungen zu finden, die auch in anderen Zusammenhängen
aktuellen Erkenntniswert besitzen. (Kunsthalle Wien, bis 10. 2. 2002)
JANA WISNIEWSKI
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