| Salzburger Nachrichten am 13. Mai 2003 - Bereich: kultur
Der Kultur-Produzent
Chris Dercon übernimmt die Leitung des Münchner Hauses der Kunst
MÜNCHEN (SN-hb). "Kunst kann nur gedeihen, wenn sie respektiert wird - so schwierig sie auch sein mag." Mit diesem Leitsatz wünscht sich der neue Leiter des renommierten Münchner Hauses der Kunst, Chris Dercon, eine offene, freie Auseinandersetzung mit der Kunst. Nicht "reisende Ausstellungen" sollen im Zentrum der künftigen Überlegungen sein, sondern die "Produktion von Kultur". Dercon, zuvor Direktor des Museums Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, tritt am 15. Mai seine neue Stelle an. Er löst Christoph Vitali ab, der von 1994 bis 2003 über 100 Ausstellungen realisierte und dessen innovative Konzepte eine Basis schufen, die das Team um Chris Dercon weiter verfolgen und entwickeln möchte. Der neue Leiter des Hauses der Kunst wurde 1958 in Lier, Belgien, geboren. Wichtige berufliche Stationen waren der Programmdirektor am Institute of Contemporary Art P.S.1 in New York und der Direktor des Witte de With Zentrums für zeitgenössische Kunst, Rotterdam. Von 1996 bis Mai 2003 war Chris Dercon Direktor am Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, wo er nicht nur den Umbau und die Erweiterung des Museums realisierte (Eröffnung Anfang Mai 2003), sondern neben zahlreichen, wichtigen Neuerwerbungen für die Sammlung auch viel beachtete Ausstellungen wie Ansichtssachen mit Hans Haacke (1996) oder Hieronymus Bosch (2001) realisierte.
Das Haus der Kunst als europäisches Projekt
Für seine Zeit in München strebt Chris Dercon eine enge Zusammenarbeit mit anderen Kunst- und Kultureinrichtungen an, etwa mit den drei Pinakotheken und den zahlreichen staatlichen und privaten Sammlungen. Die Ausstellungskonzepte sollen sich stärker als bisher interdisziplinär orientieren und neben der bildenden Kunst auch Theater, Film und Architektur einbeziehen. Das Haus der Kunst soll sich zu einem europäischen Projekt entwickeln mit vielen Gesichtern und dem Mut, Forum zu sein auch für neue, ungewöhnliche Positionen der Kunst. Es soll Autoren, Künstler und Kulturschaffende zum Dialog einladen und sich zu einem Zentrum von Diskussion und Kontroverse entwickeln.
Die wichtigen Projekte für 2003 und 2004
Die nächsten Ausstellungen zeigen die Geschichte des Musiktheaters aus Anlass des 350-Jahre-Jubiläums der Münchner Oper ("Theatrum mundi", ab 24. Mai), aus Frankfurt kommt die Schau "Grotesk!". Im Herbst folgen "Utopia-Station I" gemeinsam mit der Biennale von Venedig, die Sammlung Ydessa Hendeles aus Toronto sowie Zeichnungen, Fotos und Filme von Patti Smith. Für 2004 nennt das Programm unter anderem Münchner und deutsche Künstlergenossenschaften, niederländisches Design, das Gesamtwerk von Bernd und Hilla Becher und "Schatzhäuser Deutschlands - Kunst in adeligem Privatbesitz".
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