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| 07.10.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| KHM: Francis Bacon & die Bildtradition | ||
| Drei Jahre lang arbeitete Barbara Steffen an der ersten großen Ausstellung über den Maler und Exzentriker Francis Bacon in Wien. | ||
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Die Presse: Wie kam es zu einer Ausstellung über Francis
Bacon (1909-1992) gerade im Kunsthistorischen Museum? Barbara Steffen: Vor drei Jahren habe ich KHM-Direktor Wilfried Seipel darauf angesprochen, dass Francis Bacon noch nie umfangreich in Österreich ausgestellt wurde. Die Idee ist dann zusammen entwickelt worden, wobei Seipel spontan gesagt hat - machen wir es im Kunsthistorischen. Und wie passt dieser große Exzentriker der Malerei des
20. Jhdts. zu Alten Meistern? Steffen: Das Konzept beruht auf den berühmten Interviews, die Bacons Biograf, David Sylvester, zwischen 1962 und 1986 geführt hat. Hier wird immer wieder nach den Vorbildern und Inspirationen des Malers gefragt. Bacon, der Autodidakt, war ein unglaublich intellektueller Mann - er hatte Griechisch, Französisch, Spanisch gelernt, sich sehr gut ausgekannt in der Kunst- und auch Filmgeschichte. Hier habe ich gesehen, dass man die moderne Kunst nicht nur im immer gleichen Kontext sehen muss. Und bezieht sich Bacon auch auf Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum? Steffen: In einem Interview nennt er als Bezugspunkt das
Porträt des Infanten Philipp Prosper von Velazquez, dann vergleicht er
noch ein Rubens-Bild aus dem KHM mit diesem Velazquez. Das ist doch ein
wunderschöner Zusammenhang! In der Literatur sind die Einflüsse von
Velazquez, Rubens, Tizian, Rembrandt oder auch van Goghs natürlich schon
beschrieben, aber noch nie in einer Ausstellung gezeigt worden. Sie stellen rund 50 Werken Bacons 40 Werke anderer
Künstler gegenüber. Wie ist die Ausstellung gegliedert? Steffen: Die Bilder werden in drei großen Sälen der Gemäldegalerie nebeneinander gestellt. Es gibt viele Leihgaben, etwa aus der National Gallery London Ingres "Oedipus und die Sphinx", das Bacon oft besucht hat, als er in London lebte. Aber es wurden nicht nur Alte Meister ausgesucht, wir zeigen auch viel Picasso, Giacometti, es gibt Film - Buñuel, Eisenstein. Auf 80 Prozent dieser Bilder und auf alle vertretenen Künstler hat sich Bacon direkt bezogen. Ein anderer Schwerpunkt der Ausstellung ist das Studiomaterial, das Bacon in seinem winzigen Studio in London bis zu seinem Tod 1992 gehortet hat - 7500 Fotos, Bücher, Ausschnitte. Daraus habe ich Zeichnungen, Übermalungen ausgesucht, die das Missing-Link bilden zwischen dem Bacon-Werk und den Vorbildern. Dieses Material wird das erste Mal in dieser Kapazität gezeigt. War auch ein Katalog des Kunsthistorischen Museums dabei?
Steffen: Nicht direkt, aber viele von Künstlern, die im
KHM hängen, ein Velazquez-Katalog etwa. Es war aber auch einer von Egon
Schiele dabei. Die ganze Ausstellung wandert dann weiter in die
Fondation Beyeler in Basel? Steffen: Ja, Ernst Beyeler hat Bacon gesammelt. Viele Exponate kommen aus Privatsammlungen der Schweiz und der USA. Gibt es auch in Österreich Bacon-Werke? Steffen: Ein frühes Ölbild aus den 50er Jahren gibt es im Museum Moderner Kunst. In Privatsammlungen finden sich noch Drucke, Grafik, aber keine Ölbilder. Bacon wurde schon in den 50er Jahren von der Tate in London und dem Museum of Modern Art in New York angekauft. Er war schon Ende der 40er Jahre ein Star, das war ein Phänomen! Bacon ist am Kunstmarkt auch heute noch immer wieder gut
für Sensationen . . . Steffen: Es gibt nicht mehr sehr viel am Markt, die
Preise sind hoch gestiegen. Kleine Triptychen werden um die 2 Millionen
Euro angeboten. Ein Einzelbild - sie haben immer die gleichen Masse, 1,5
mal 2 Meter - rangiert zwischen 2 und 6 Mill. €. Große Triptychen kosten
um die 15 Mill. €. Bacon gilt nicht nur durch seine immer gleichen
Bildformaten als sehr konstanter. . . Steffen: Bacon ist schwer zu kategorisieren. Er hat nie
abstrakt gemalt, hat den abstrakten Expressionismus gehasst - Jackson
Pollock, DeKooning waren für ihn das Letzte. Bis Mitte, Ende der 80er hat
er gearbeitet, aber weder Minimal noch Concept noch Fotokunst mitgemacht.
Bis auf einige Landschaften malte er konsequent seine Figuren. Haben Sie auch Bacons Grab besucht? Steffen: Das überlasse ich lieber den Sentimentalisten.
Sie sind freie Kuratorin, haben lange in Amerika gelebt, für Guggenheim gearbeitet. Was ist ihre nächste Ausstellung? Steffen: Eine große Schau über zeitgenössische
amerikanische Kunst, die in eineinhalb Jahren in Österreich stattfinden
wird. Wo, will ich noch nicht sagen. |
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