

Text - Lorenzo Rudolf hat eine Reihe schmucker Kinder vorzuweisen, die zu den anziehendsten der internationalen Kunstwelt zählen: Die "Art Basel" und ihr Miami-Ableger, die Kunst- und Antiquitätenmesse "Palm Beach!" sowie die nicht minder erfolgreiche "Palmbeach3".
Dazwischen leitete Rudolf zweieinhalb Jahre lang die Frankfurter Buchmesse. Bestellt wurde er im Herbst 1999, jenem Jahr also, in dem Harald Szeeman über die Biennale in Venedig chinesischer Kunst zum Durchbruch verhalf. Im Frühjahr 2005 vereinten Pierre Huber, Sammler, Galerist und versierter Berater der Szene, und Lorenzo Rudolf ihr Know-how. Das Ziel ihrer nunmehr in einer Gesellschaft ("phlr best of arts") konstituierten Zusammenarbeit ist eine fundierte Marktstudie. Der Hintergrund: In dem ständig und zuletzt in rasantem Tempo expandierenden Markt muss den damit einhergehenden wachsenden Bedürfnissen der Protagonisten - Künstler, Galeristen und Sammler - entsprochen werden. Weil solche Dynamik auch konzeptueller Zähmung bedarf.
Herbst 2006. Zahlreiche Gespräche, akribische Untersuchungen und Analysen später liegt neben der Studie auch gleich ein komplettes Konzept auf dem Tisch. "Ein logischer Prozess", so Rudolf, der neben einem Fazit ("der erste Schritt muss Asien sein") nun auch operative Umsetzung erfährt: 2007 wird in Shanghai vom 6. bis zum 9. September die erste internationale Messe für zeitgenössische Kunst stattfinden. "ShContemporary" versteht sich als neue Plattform für den Kunstmarkt, die eine Verbindung zwischen dem asiatischen und pazifischen Raum und der westlichen Welt herstellen soll. Inhaltlich soll "nicht wie in Basel oder Miami das etablierte Oben abgedeckt werden", so Rudolf.
Stattdessen wollen die Macher mit zwei kuratierten Segmenten punkten. Zum einen mit (jungen) Künstlern, "die wir in Ermangelung lokaler Infrastruktur an den Markt heranführen", wobei sie "der internationalen Sammlerschaft die Chance geben, Entdeckungen zu machen".
Den zweiten Bereich stellt eine selektiv ausgewählte Gruppe internationaler Galerien. Nein, hier geht es nicht um das Establishment der Szene, bildet nicht der Index des Art-Basel-Kataloges die Entscheidungsgrundlage. "Das wäre viel zu monochrom", da würde wie in Miami auch wieder nur gezeigt, was gerade gut verkäuflich sei. Für "ShContemporary" sind Kunst und Kunstschaffende (wieder) das maßgebliche Kriterium. Die potenziellen Teilnehmer werden gezielt eingeladen. Mit wem bereits Gespräche geführt wurden, will Rudolf nicht sagen, nur so viel: "Das Interesse ist sehr groß." Ja, österreichische Galerien seien auch darunter, "aber kein Dutzend".
Als Partner hat man sich den Messeveranstalter Bologna Fiere erkoren, Veranstalter der "Bologna Arte Fiera" und weltweit 70 weiterer Verkaufsevents aller Art, der damit in jeder Hinsicht operative Erfahrungswerte, sowohl fachlicher als auch lokaler Natur, vorweisen kann. Bologna Fiere hat im asiatischen Raum bereits Messen der Kategorie Lifestyle veranstaltet und verfügt vor Ort über die notwendige Infrastruktur. Chairman Luca Cordero di Montezemolo - Stichwort Fiat, Ferrari und Maserati - ist auf gewisse Weise Herr über ein ganzes Lifestyle-Imperium. Und hier sieht Lorenzo Rudolf perfekte Anknüpfungspunkte, "Kunst ist Lifestyle geworden, und mit dieser Realität muss man spielen, ohne dabei den Bereich der Seriosität und Professionalität zu verlassen", erklärt er dazu. Auch deshalb fiel die Wahl auf Shanghai, nicht auf Hongkong oder Peking, die internationalen und nationalen Auktionsmetropolen.
In Sachen zeitgenössische Kunstszene "ist Hongkong ein verwaistes Pflaster und Peking ganz klar die Kunst- und Kulturszene", so Rudolf, "aber wir haben ja auch Miami und Palm Beach statt New York gewählt, sowie Basel statt Zürich". Das entsprechende und wohl auch kaufmotivierende Feeling findet man dagegen in Shanghai, "der Lifestyle-Stadt Asiens", ist der 1959 in Bern geborene Schweizer überzeugt. "Im Vergleich zu Peking oder Japan und Korea hat Shanghai außerdem nicht das Image, die Geschichte auf den Schultern zu tragen." Wo koloniale Prachtbauten und gigantische Wolkenkratzer das Stadtbild prägen, ist auch das Wirtschaftswachstum am stärksten: Die Region erreicht seit 1991 als einzige der Volksrepublik zweistellige Zuwachsraten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2007)