Kunstraum Bernsteiner: Arbeiten der jungen Künstlerin Sofia Goscinski
Porno im Spiegel und Liebe in der Garage
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Detail aus Sofia Goscinski Spiegel-Installation "XXX" (2011). Foto: Kunstraum Bernsteiner
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Von Christof Habres

Sofia Goscinski zeigt fordernde, ironische Objekte.

"Erkenne Dich selbst" als Motto.
Wien.
Betritt man den Kunstraum Bernsteiner in einem Hinterhof der
Schiffamtsgasse, dann umfängt den Besucher strahlendes, klinisches Weiß.
Der Ausstellungsraum des Baumeisters und engagierten Sammlers junger
zeitgenössischer Kunst, Alois Bernsteiner, ist so hell erleuchtet, dass
man anfangs fast die Augen schließen muss.
Hat man sich an das blendende Hell einmal gewöhnt, werden Sofia
Goscinskis Ausstellungsobjekte sichtbar: Lediglich die beiden
gegenüberliegenden Seiten des Raumes werden von der jungen Künstlerin
bespielt. Auf der einen befindet sich die titelgebende Installation
"head in the closet": Zwei Klomuscheln, die übereinander montiert wurden
und den Besucher fast in Erwin Wurmscher Manier dazu einladen, mit den
Ausstellungsobjekten zu einer Skulptur zu verschmelzen.
Auf der anderen Seite des Raums ist ein enormer Spiegel platziert
(circa zwei mal drei Meter), der wiederum aus 375 Einzelspiegeln
besteht. Und auf jedem einzelnen dieser Spiegel sind ein oder mehrere
Begriffe eingraviert. Es kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bis man
die englischen, meist sehr absurden Begriffe richtig einzuordnen weiß.
Die Installation "XXX" setzt sich aus Worten von Pornoseiten aus dem
Internet zusammen, die die Künstlerin recherchiert und erfasst hat. Das
Gros der Begriffe scheint den Besuchern unbekannt zu sein und manche
ertappen sich beim Durchlesen dieser Wortkaskaden dabei, sich die
dazugehörenden Positionen oder Kombinationen vorzustellen. Ertappt
deswegen, weil der überdimensionale Spiegel unmittelbar und schonungslos
jede Regung im Gesicht, in der Körperhaltung zurückwirft – sowohl
persönlich auf den einzelnen Betrachter als auch für andere erkenn- und
ablesbar. Eine wunderbar ironische Arbeit zum Themengebiet "Erkenne dich
selbst!"
Endlos-Loop
Spielt sich die Abhandlung der Künstlerin über Pornografie in einem
sehr reinen, klinischen Ambiente ab, wird ihr Video "I love you" in
einer renovierungsbedürftigen, staubigen Garage des Hinterhofs gezeigt.
In einem Endlos-Loop, der auf drei Bildschirmen projiziert wird, spricht
Sofia Goscinski diese bedeutenden Worte zwischenmenschlicher
Beziehungen. In einer Häftlingsporträtfoto-Ästhetik wiederholt die
Künstlerin diese Worte bis zur Schmerzgrenze immer wieder. Sie hat das
Video derart bearbeitet, Wortteile, einzelne Buchstaben kopiert und zu
einem rauen Stammeln zusammengesetzt, dass das Endprodukt zu einer
schmerzhaften, jedweder Romanik beraubten Tour de Force geworden ist.
Eine fordernde Ausstellung, die zwischen Ironie und einer Portion
Sardonismus Ebenen zwischenmenschlicher Interaktion beleuchtet.
"head in the closet" von Sofia Goscinski; Ausstellungsdauer: 23. März bis 8. Mai; Kunstraum Bernsteiner; http://www.friendsandart.at
Printausgabe vom Mittwoch, 30. März 2011
Online seit: Dienstag, 29. März 2011 17:17:00