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KREMS: Vor allem die großformatigen
Deix-Bilder begeistern bei Schau im Karikaturmuseum
Hauchdünn ist die Haut der Zivilisation
Hundert mal hundert, hundertsechzig mal hundert
Zentimeter. Das sind Formate, wie wir sie von Karikaturen selten
kennen. Im Karikaturmuseum Krems umspannen diese Maße jedoch jenes
Feld, das mit derart großen Tableaus überrascht.
Manfred
Deix kennen wir ja. Seine zumeist im A4-Format gefertigten
aberwitzigen Blicke in die Seele des homo austriacus sind in den
heimischen Zeitungen und Magazinen omnipräsent. Ihre zielsicheren
Griffe rund um und unter die menschliche Gürtellinie sorgen allseits
für angeregte Diskussionen.
Schicht um Schicht
Im Karikaturmuseum Krems hat Deix neben "Ironimus"
Gustav Peichl einen Fixplatz mit eigenem Kabinett im Oberstock des
Gebäudes. Und hier überraschen wie gesagt besonders die Großformate,
die wie riesige Aquarelle wirken, obwohl sie in Acryl auf Leinwand
gefertigt sind. In extremer Verdünnung hat Deix wässrig wirkende
Farbschicht um Schicht lasiert. Erreicht eine flirrende Farbigkeit
und Transparenz wie sie etwa in den Sturmszenerien eines William
Turner begeistern.
Auch die Thematik des Herrn Deix sind
Naturgewalten. Im Speziellen jene, die unter der hauchdünnen Schicht
der Zivilisation in den Abgründen der Menschen schlummern:
Fremdenhass, frömmelnde Bigotterie gepaart mit unglaublicher
Gewaltbereitschaft, Doppelbödigkeit in Bezug auf Sexualität.
Dass den Acrylbildern die Plakativität fehlt, die den
"normalen" Deix-Werken eigen ist, entpuppt sich hier als ihr größtes
Plus: Sie erreichen eine unentrinnbare Eindringlichkeit wie die
Arbeiten Gottfried Helnweins und werden so zum Kernpunkt des
Museums, das eine Etage tiefer bis 26. Mai einen Querschnitt durch
"Das gezeichnete 20. Jahrhundert" zeigt.
Internationale
Delikatessen des Genres des gezeichneten Kommentars. Hochkaräter der
Karikatur von Olaf Gulbransson, Alfred Kubin und
Simplizissimus-Zeichner über George Grosz bis herauf zu Tomi
Ungerer, Borislav Sajtinac, den Eferdinger Horst Haitzinger und den
Linzer Gerhard Haderer.
Diese komprimierte Ansammlung macht
vor allem eines deutlich, das auch in aktuellen Disputen um das
Thema "Was darf Karikatur?" oft übersehen wird: Diese spezifische
Form der künstlerischen Auseinandersetzung hat nichts mit
volksbelustigender Illustration zu tun. Karikatur ist, wie gesagt,
eine gezeichnete/gemalte Glosse. Ein Bild-Kommentar, der aufdeckt,
kuriose Zusammenhänge seziert, sozialpolitische Ungereimtheiten
mittels Überzeichnung hinterfragt. Karikatur ist somit eines der
wesentlichsten Kunstformen der Demokratie.
Info: 02732/ 90
80 20, Katalog: 24,90 Euro.
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