Kunst und ÜberfliegerRed Bull gibt jetzt auch dem Kunstmarkt Flügel: Die "HangART 7" in SalzburgWer derzeit Salzburg mit dem Flugzeug verläßt, kann von der Startbahn
aus mit etwas Glück einen Blick auf China erhaschen, und auf
Flugzeug-Antiquitäten vom Feinsten (allesamt flugtauglich). Darunter
prangt übrigens Marschall Titos selig grundsanierter Großraum-Jet. Vom
Abheben war bereits die Rede, wobei in diesem Fall "Red Bull" nicht nur
(sanierte) Flügel gemacht hat, sondern noch sehr viel mehr. Denn der
Besitzer all dessen, Verfechter des Extrem-Sponsoring, der den Salzburger
Fußball- und Eishockey-Club (beides in "Redbull Salzburg" umgetauft),
sowie zwei Formel I-Rennställe (Minardi-Team und Jaguar) sein Eigen nennt,
erfand und verkauft jährlich weltweit 2 Milliarden Portionen des
Energy-Drinks (Weltmarktführer) - all dies verbunden mit einem Geschmack,
der an aufgelöste Gummibärchen erinnert. Keine Frage, Dietrich Mateschitz
geht's gut, nicht nur der 70 Prozent Reingewinn pro Dose wegen. Und
Österreichs globale Trendmarken heißen nun mal Swarovski - und Red Bull.
Seit Frühjahr 2005 unterhält Dietrich Mateschitz gleichsam noch einen
Kunst-Stall. In dem seit August 2003 bestehenden imposanten "Hangar 7",
gelegen am Flughafen-Stadtrand der Mozart-Metropole, wurde auch für die
Kunst eine Startbahn geschaffen. Im Frühjahr bildete vor allem das junge
Österreich (Wolfgang Wirth, Martin Schnur, Edgar Honetschläger) den
Kunst-Auftakt. Derzeit (noch bis 18.Dezember) ermöglichen zwölf asiatische
Youngster den Blick auf junge China-Kunst. China boomt, Red Bull sowieso, und eine Kaufvermittlung findet
hinsichtlich der "YCCA - Young Contemporary Chinese Art", bei diskreter
Nachfrage, nicht minder statt ( Preise zwischen 2000 und 25 000 Euro).
Immerhin wurde die Hälfte der jungen Österreicher zum Kunst-Auftakt von
"HangART 7" verkauft: Der Name dieser rasanten Örtlichkeit, aus 100 Meter
lang gewölbtem Stahlgeflecht und 7000 Quadratmetern Glas darüber, wandelt
sich , wenn die Kunst zu Gast ist. Verspricht eine etwaige
Kunstkäufer-Investition Aufstieg oder Absturz ? Nicht nur als
Verkaufsabschluß-Ambiente eignet sich stimmig die "Mayday-Bar" oder das
Restaurant "Ikarus": Es ist derzeit Salzburgs absolutes "Must eat", dazu
mit allmonatlich neu landenden Köchen. Bisher bespielten etwa Ralf
Zacherl, Marc Haeberlin, Xavier Pellicer, Roland Trettl oder Dieter Müller
das "Ikarus"-Cockpit. Zur "YCCA" hantierte übrigens Jereme Leung aus
Shanghai mit Krabbenfleisch aus der Schere der "Hairy Crab". Also gekocht
wie gemalt, Kunst und Kulinarik. Die "Mayday"-Bartheke birgt High Tech vom
Feinsten. Auf Fingertippen reagieren virtuelle Kellner(innen), oder es
lassen sich gar persönliche Single-Nachrichten an andere Tresen-Nachbarn
senden. Durch den Glasfußboden fällt der Blick auf die Kunstflug-Flotte
der "Flying Bulls". Der ursprüngliche Auslöser zu diesem Kulissen-Kunstwerk für Maschinenöl
und Ölfarbe aus der Tube lag nämlich in der ungesicherten Zukunft der
"Flying Bulls", einer Innsbrucker Kunst-Flugstaffel. Nicht nur Kunst und
Kunstflieger haben also unter dem Zepter tierischen, Taurin-haltigen Red
Bull-Brandings eine fraglos nicht nur für die Alpenrepublik neuartige Form
des Marketings gefunden. Immerhin, die Kunst-Verantwortliche Lioba Reddeker sieht vor allem "die
Erschließung neuer Kunst-Besucherschichten durch die HangART". Immerhin 10
000 Besucher kommen monatlich eintrittfrei in den Hangar 7, freilich aus
ganz unterschiedlichen Beweggründen. Künstler seien übrigens für Dietrich
Mateschitz, so Lioba Redekker, über den kunstöffentlichkeits-scheuen Red
Bull-Erfinder, oft unterschätzte Menschen, die eine Vision haben und diese
eisern verfolgten und durchsetzten - wie er selber auch. Die boomende
Event-Kultur der vergangenen zehn Jahre wurde fraglos durch das Phänomen
dieses Energy-Drinks stark mitgeprägt. Wer je an einer Vernissage im Hangar 7 teilgenommen hat, durfte
zugleich die endgültige Kernverschmelzung von Kunst und Eventitis
miterleben. Im Fall "YCCA" hieß dies unlängst: am Entree zur Begrüßung
Stewardessen-Look à la fescher Playboy-Club, danach Rosenblüten, von
zarter chinesischer Hand über die anwesende Prada-Gemeinde verrieselt.
Zuvor eine virtuelle rote Nationalflagge, riesenhaft auf Gaze gebeamt,
dazu wiederum sprachliches Ergründen junger chinesischer Kunst, rezitiert
durch einen Schauspieler. Traditioneller chinesischer Musik folgte dann
bis zum Ende die wabernde psychedelische Sound-Internationale aus dem Off.
Kritik hin oder her: Das alles muß man sich erst mal trauen. Vom 17.
Februar geht es bis 9.April übrigens um junge spanische Kunst. Schon
wieder so ein Red Bull-Bezug . Na denn Servus, Toro! Artikel erschienen am Sam, 10. Dezember 2005 |
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