Hedwig Kainberger Interview Seit zehn Tagen hat Österreich mit Claudia Schmied (SPÖ) erstmals eine Frau als Bundesministerin für Kunst und Kultur. Das Landestheater St. Pölten ist nun in der zweiten Spielzeit mit Isabella Suppanz unter weiblicher Führung. Und in der Vorwoche wurde - ab 2009 - mit Elisabeth Sobotka eine Frau zur Intendantin der Grazer Oper bestellt.
Da offenbar immer mehr Frauen Führungsposten erklimmen, baten die SN Brigitte Fassbaender, Intendantin des Tiroler Landestheaters, um ein Interview.
Ist es ein Zufall, dass eine Frau Grazer Opernintendantin wird? Oder ist dies der Anfang eines Trends? Fassbaender: Weder noch! Frauen sind als Intendantinnen zwar immer noch in der Minderheit. Aber eine Frau als künstlerische Leiterin ist kein Thema mehr. Es ist anerkannt, dass eine Frau in so einer Position ihren Mann steht.Sie waren Mitglied der Jury in Graz. Was waren die entscheidenden Qualifikationen Elisabeth Sobotkas? Fassbaender: Es ging in Graz - im Gegensatz zu den drei Sparten der anderen Bundesländertheater - um ein Zwei-Sparten-Haus (Musiktheater und Tanz). Also kam nur jemand mit großer Musiktheatererfahrung in Frage. Frau Sobotka, mit ihrer jahrelangen Tätigkeit in Wien und Berlin in führender Position, ist eine absolute Fachfrau.Frauen sind längst als Künstlerinnen so anerkannt, so berühmt wie Männer. Warum sind sie bisher von den künstlerischen Chefposten - also den Intendanzen - ferngeblieben? Fassbaender: Das Bild ändert sich rasant, wie nicht nur dieses Beispiel zeigt. Bei der Findungskommission in Graz war die Tatsache, dass Elisabeth Sobotka eine Frau ist, kein Diskussionspunkt. Ihr Können und ihre Erfahrung haben sie qualifiziert. Sind Frauen als (Opern- und Theater-)Regisseure ebenso rar wie als Intendanten? Wenn ja, warum? Fassbaender: Das sind sie lange nicht mehr! Das hat sich drastisch geändert. Ein Blick in die Fachpresse zeigt, dass es Spielpläne gibt, wo überwiegend Frauen inszenieren.Was sind wichtige Eigenschaften eines guten Intendanten eines Opernhauses, eines Theaters oder eines Mehr-Sparten-Betriebs? Fassbaender: Katalysatorische Fähigkeiten, Kommunikations- und Entscheidungsfreudigkeit. Die oft genannte "Ich-AG" - im Sinne von Vorbild mit eigener ungebremster Kreativität und Motivation sowie pausenlosem Einsatz - ist bei Intendant/-innen nicht fehl am Platz. Natürliche Autorität und ein Topteam.Erfüllt eine Frau die Aufgabe eines Intendanten anders als ein Mann? Wenn ja, inwiefern? Fassbaender: Vielleicht ein bisschen uneitler und nicht ganz so machtgierig.Sie sind seit 1999 Intendantin des Tiroler Landestheaters und weit und breit die einzige Frau in solcher Position. Fühlen Sie sich manchmal einsam? Fassbaender: Nein. Es gibt inzwischen einige Intendantinnen im deutschsprachigen Raum - aber wir fühlen nicht die Notwendigkeit einer "feministischen Cliquenbildung". Was macht Ihnen Freude an der Arbeit als Intendantin? Fassbaender: Permanente Kreativität, Verantwortung für Qualität, Ensemblepflege - es gibt nichts Befriedigenderes, als einen gelungenen Abend. Das Suchen und Finden des richtigen Regieteams für das richtige Stück. Teamwork. Das Vertrauen des Publikums. Für die Wiener Staatsoper ist die Nachfolge nach Ioan Holender bald zu entscheiden. Gäbe es Ihrer Meinung nach Frauen, die für den dortigen Direktorposten in Frage kämen? Welche Kandidatinnen fallen Ihnen ein? Fassbaender: Ich habe mich mit dieser Thematik nicht befasst. Das unbarmherzige, glatte Wiener Parkett wünsche ich eigentlich niemand. Da kommt wohl nur jemand in Frage, der Nerven wie Drahtseile hat.Österreich hat mit Claudia Schmied die erste Ministerin für Kunst und Kultur. Was erwarten Sie von ihr? Fassbaender: Viel. Vor allem mehr Aufmerksamkeit, die die Bundesländertheater durch ihre qualitätsvolle Arbeit längst verdient haben. Vielleicht kann sie die Medien in diese Richtung beeinflussen. Wien ist nicht immer der Nabel der Welt.Könnte Claudia Schmied der Kulturpolitik eine Art "weibliche Handschrift" geben? Wenn ja, inwiefern? Fassbaender: Das bleibt abzuwarten. Aber - was ist eine weibliche Handschrift? Integrität und Kunstverständnis sollte jeder Politiker haben!






