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vom 24.05.2007 - Seite 022
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Sozialer Anspruch ist Trend
3374 Projekte aus 63 Ländern wurden für den diesjährigen Prix Ars Electronica eingereicht. Gestern präsentierte das Ars-Leading-Duo Gerfried Stocker (AEC) und Christine Schöpf (ORF OÖ) die Gewinner der Goldenen Nicas und der Auszeichnungen in den acht Kategorien.
VON IRENE JUDMAYER
Wer den Prix seit seinen Anfängen vor 21 Jahren verfolgt und sich die preisbedachten Arbeiten auch angesehen oder angehört hat, hat zugleich einen der Meilensteine der Digital-Geschichte miterlebt. Von den Anfängen mit diversen Moogs bis zum Heute, in dem sich durch das Internet völlig neue Möglichkeiten für völlig neue Denkweisen und daraus resultierende Kunst erschlossen haben.
3374 Projekte aus 63 Ländern wurden heuer zum Prix eingereicht, was ebenso wie die Ausweitung auf acht zu bewertende Kategorien zwischen Animation und Digital Music einen neuen Rekord bedeutet. Die Teilnehmer kommen aus 63 Ländern, auch exotischen wie Aserbaidschan, Peru, Uruguay und Armenien. 122.500 Euro Preisgeld, sechs Goldene Nicas, 14 Auszeichnungen und 74 Anerkennungen wurden durch 40 Juroren vergeben. Die Preise werden während der Ars Elec-tronica bei der Prix-Ars Gala am 7. September überreicht.
Verdauungsapparat
Neu ist "Hybrid Art" - in etwa mit "Verschmelzung unterschiedlicher Richtungen" zu erklären: Eine der Auszeichnungen geht an den Belgier Wim Delvoye für seinen Verdauungsapparat "Cloaca". Der "stoffwechselt" 300 kg Nahrung zu rund 80 kg Exkrementen. Na, wenn das nicht eine Neuzeit-Replik der mechanischen, ebenfalls verdauenden Ente des französischen Erfinders Vaucanson aus dem Jahr 1738 ist?
Gemeinsam mit dem Boltzmann-Institut wurde der neue Preis für Medien.Kunst.Forschung eingerichtet: Den gewinnt heuer der Berliner Florian Cramer für seine brillante Dissertation über Sprache, Literatur, Codiersysteme.
Neu sind auch das Stipendium "next idea" (Jonas Burki für ein zukunftsweisendes Bildprojektionskonzept) und "Digital Communities", in dem die frühere Net-Art aufgesogen wurde: Gewinner ist das brasilianische Diskussionsforum "Overmundo", das geographische und soziale Barrieren überbrückt.
Hohe soziale Kompetenz kennzeichnet auch das Projekt der Klagenfurter Gewinner in der U19-Kategorie aus: "VoIP-Wiki" ermöglicht es, zu günstigen Bedingungen die Online-Enzyklopädie Wikipedia akustisch abzurufen, was besonders die Lebensqualität von Sehbehinderten verbessern soll.
Computer Animation: "Codehunters" (Ben Hibons; UK) ein apokalyptisch angehauchter Kurzfilm als Cocktail aus neuer und alter Computerspiel-Formensprache
Digital Musics: an Masahiro Miwa (J) für sein Lebenswerk und eine per Computer entwickelte multivariable Kompositionsstruktur
Hybrid Art: an "SymbioticA" (AU), ein prototypisches Labor aus unterschiedlichen Wissenschaftlern und künstlerischen Herangehensweisen
Interactive Art: Ashok Sukumarans (IN) "Park View Hotel" ermöglicht per Zielfernrohr und damit gesetzten Lichtimpulsen die bunte Kommunikation von Menschen und architektonischen Gegebenheiten.
Digital Communities: "Overmundo" (BR) ist Community ebenso wie Softwaretool und trägt gesellschaftspolitisch relevanten Diskurs aus den urbanen Zentren in ländliche Regionen.
U19: Daniel Robinig, Manuel Salzmann und Matthäus Spindelböck von der HTL Klagenfurt schufen in Zusammenarbeit mit dem Kärntner Blindenverband das System "VoIP-Wiki", das Text und Bildinformationen aus dem Computer in akustische Informationen umwandeln kann.
The next idea: Jonas Burki (CH) für "Sun_D", ein zukunfstweisendes System der Bildprojektion, das ohne Bildschirme und energieraubende Beamer auskommt und sich durch mechanische Manipulation ausschließlich bereits bestehender Lichtquellen (etwa der Sonne) bedient.
Gold-Nica für die actionreiche Mischung aus martialischer Computerspiel- und Manga-Ästhetik (Prix Ars) |
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