Bosch und Bushido
(cai) "Last Riot – der letzte Aufruhr" – wohl ein eschatologischer
Katastrophenfilm. Wieso? Na weil da die Züge von den Brücken fallen.
(Und als Fleißaufgabe stürzen sogar die Flugzeuge ab.) Ohne Zweifel ein
apokalyptisches Symptom. Zumindest eines von denen, die Jakob van
Hoddis in prophetischen Versen einst aufgezählt hat als Zeichen, woran
man das Weltende untrüglich erkennt. Freilich müssten dann alle
Menschen auch einen Schnupfen haben.
Doch von pandemischer Rhinitis keine Spur. Überhaupt keine Sekrete. Ein hygienischer Jüngster Tag, aalglatt inszeniert von AES+F (Tatiana Arzamasova, Lev Evzovich, Evgeny Svyatsky, Vladimir Fridkes).
Kein Schweiß perlt, keine Adern tun sich auf. Und anders als in der
Offenbarung des Johannes kämpfen nicht die Gog und Magog gegen die
himmlischen Heerscharen, sondern der Reebok (der Sportschuh)
stapft quasi durch die finale Eiszeit einer computergenerierten,
epischen Landschaft, die Vergnügungspark und Schlachtfeld zugleich ist.
Kurz: Die Helden im gepflegt martialischen Ambiente (aufwändig
gecastete Jugendliche) sind extrem modebewusst. Räkeln sich pathetisch
langsam in klassischen Posen. Die Opfer sind lässig, die Mörder cool.
Ein süchtig machender Film. Herrlich bedenklich. Äh: Wie bitte?
Bosch (der Höllenvisionär) und Bushido (der Ehrenkodex der Samurai).
Die drei Burschen, die sich in ihre Schwerter stürzen: eine
Harakiri-Boygroup? Dazu Endzeitklänge aus Wagners "Götterdämmerung" und
Trommeln aus Japan. Das wahrhaftige globale Dorf. Ost und West, Raketen
und Ringelspiele, alles auf einmal. Die totale Völlerei macht die Leere
im Megabyteland so richtig bewusst. Die Preise: surreal. Die süffigen
Drucke auf Leinwand etwa (Fotos, die so tun, als wären sie Gemälde, die
wiederum vorgeben, Fotos zu sein) kosten hier mindestens 70.000 Dollar.
Knoll Galerie Wien
(Gumpendorferstraße 18)
AES+F: "Last Riot"
Bis 10. November
Di. bis Fr. 14 bis 19 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Superlativisch.
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Sushi, wem Sushi gebührt
(cai) Manchen Leuten pickt der Fernsehsessel ja eh wie eine Klette
am Hintern. Peter Wehingers beschaulich sinnliches Fauteuil
(wohlgemerkt: beschaulich ; ihm das Sitzfleisch zuzuwenden,
wird als gefährliche Drohung eingestuft) besteht nun wirklich aus
diesen anhänglichen Blütenköpfchen. Und ist in der sehr ästhetischen
Schau "Biological" unübersehbar. Marika Vicari verlegt da einen mit
Laub dekorierten Grasteppich, den der Blick gierig wie ein Rasenmäher
abgrast, bevor er sich an den geradezu zärtlichen Waldimpressionen satt
sieht. Im Keller: Lichtverhältnisse wie in der Tiefsee. Und während man
auf das Lamperl am Ende der Finsternis zugeht, ist einem mulmig wie dem
Rotkäppchen in der wölfischen Speiseröhre. Doch wenn man endlich das
Monstermaul des Anglerfisches von Patrick Baumüller bemerkt, fühlt man
sich wie Sushi: dem fremden Appetit ausgeliefert. Da wird man auch
schon erlegt. Allerdings wie Paris Hilton. Mit dem Blitzlicht. (Puh!)
Kro Art Gallery
(Getreidemarkt 15)
Biological
Bis 9. November
Di. bis Fr. 14 bis 19 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Appetitlich.
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Schluckauf und -nieder
(cai) Es ist ein bissl wie mit dem Käse: Der eine hat viele
Löcher, der andre ist verschlossen. Walter Gartlers skripturale
Blätter, die sich genauso kryptisch ausdrücken wie Emmentalerscheiben,
brabbeln, palavern, radebrechen und kauderwelschen lustig dahin. Eines
dürfte sogar lallen. Gut, mancher Titel mag ja so philosophisch sein
("Pascalsche Leere nach Blau"), dass man davon Schluckauf kriegt. Doch
der Webteppich von Gabriele Aschermann Schmid Kunz, die eine der
Geschichten (eine dramatische mit "Blutflecken") wörtlich ins
Kette-und-Schuss-Idiom übersetzt hat, macht einen sowieso sprachlos.
Vor Staunen.
Galerie Sur
(Seilerstätte 7)
Walter Gartler
Bis 16. November
Di., Do. 15 bis 19 Uhr
Mi. 10 bis 13 Uhr
Sprechend.
Mittwoch, 07. November 2007