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Kunstberichte
MAK Galerie: David Zink Yi. Manganese Make my Colors Blue

In der nächtlichen Kammer der Wunder

Der Künstler und das 
Monster: David Zink Yi erinnert an die Wunderkammern der Renaissance. 
Foto: W. Woessner/MAK

Der Künstler und das Monster: David Zink Yi erinnert an die Wunderkammern der Renaissance. Foto: W. Woessner/MAK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung David Zink Yi war Lothar Baumgartens Meisterschüler an der Berliner Universität der Künste. Er zieht neue Bilder aus der Tiefe von Nacht und Meer, die Kunsthistoriker an den Geistesblitz der Renaissance im dunklen Inneren des Kopfes denken lassen. Diese damit gezogene Lichtspur zeigt die geheimnisvolle Schönheit einer partiell beleuchteten Zeder in der Dunkelheit und ein graues Porzellanobjekt in Form eines Tiefseemonsters.

Der Riesentintenfisch Architeuthis liegt nur noch als Hülle in einer Wasserlacke am schwarzen Boden und verbindet Natur und Kunst, Wissenschaft und Schöpfergeist mit einander. Vormoderne Träume vom universellen Weltbild klingen an. Erinnerungen an die ersten Museen, die Kunst- und Wunderkammern, werden ebenso wach wie das Forschen im Unterbewusstsein als Wiener Spezialität der vorvorigen Jahrhundertwende.

Das Untier aus der Tiefe des Meeres

Das Urtier aus der Meerestiefe war vor 1900 noch ein mythisches Ungeheuer, hier liegt es wie ausgeworfen, verwesend, doch auch als Studienobjekt. Innere und äußere Nacht kommen zur Intention der klassischen Moderne, Modelle der Natur in ihre Konzepte einzufügen.

Trotz der aktuellen Konfrontation von abstrakten Motivelementen, die nach langer Recherche Brüche im traditionellen Erzählfluss hinterlassen, suggeriert der aus Peru stammende Künstler mit dieser Installation eine Szenerie.

Gleichsam an der Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion befinden wir uns aber – in Nacht und Gedankennebel – immer noch in Feldern von Malerei und Skulptur. Daran ändert die Verwendung der Medien Fotografie und das keramische Material wenig, die Werke treten nicht aus dieser alten Dualität heraus.

Die romantische Stimmung, die sie zusammen in ihrer Stille und Farbreduktion auslösen, verrät allerdings auch die Gespaltenheit kultureller Fragen heute. Ein Blick in die Tiefsee eigener Nachtgeschichten.

Aufzählung Ausstellung

Manganese Make my Colors Blue
Arbeiten von David Zink Yi
Bärbel Vischer (Kuratorin)
MAK Galerie
Zu sehen bis 6. März



Printausgabe vom Mittwoch, 13. Oktober 2010
Online seit: Dienstag, 12. Oktober 2010 17:17:00

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