28.09.2001
19:44 MEZ
  Die älteste Gattung der Welt
Wandmalerei von Ernst Caramelle in der Bawag-Foundation
Bawag-Foundation

Bawag-Foundation

Bawag-Foundation


Markus Mittringer

http://www.bawag-foundation.at/
  Wien - Angefangen hat das alles ja im Aurignacien, also zwischen 60.000 und 40.000 vor Christus. Recht lebensnah tummelten sich da allerhand vierbeinige Grundnahrungsmittel auf buckeligen Höhlenwänden. Soweit man aus den nicht vorhandenen Quellen aber schließt, hatte das wenig mit Schmuckbedürfnis und schon gar noch nichts mit Kunstwollen zu tun. Eher schon mit einer wenig rationalen Idee von Jagd. Möglich, dass die Vorstellung verbreitet war, das Festigen des Abbildes des prospektiven nächsten Abendmahls würde dieses gleich selbst bannen und damit auch mit ursprünglichster Jagdtechnologie überrumpelbar machen.

Später dann kamen auch die alten Ägypter dem Schaubedürfnis wenig entgegen, malten sie doch vorwiegend für die Toten. Die frühen Christen malten dann schon für die Lebenden - die sich nach dem Jenseits sehnten. Erst Giotto sollte dann wieder in den realen Raum zurückfinden. Die barocke Illusionsmalerei nahm sich diesen dann zum eigentlichen Thema hinter der vorgetäuscht christlichen Absicht.

Bis zu Ferdinand Hodler war dann wieder Pause mit dem Wandmalen. Und die deStijl-Leute waren dann auch schon die letzten, die mit den Architekten eine utopische Absicht gemein hatten. Ab dann konnte alles nur mehr hinterfragt, bespiegelt, selbstreflektiert werden. Immerhin war dann aber auch alles würdig, diesem Prozedere unterworfen zu werden.

Und jetzt macht Ernst Caramelle (auch) in der Bawag Wandbilder, topographische Inszenierungen, zur Verhältnismäßigkeit der raumkonstituierenden Elemente. Und eint subjektiven Blick, öffentlichen Raum, historische Last, intimes Erfahren und scheußlichen Teppichboden in versöhnlicher Harmonie. Bis 25. November, bis ein anderer sich dann zu einem ihm adäquaten Umgang mit dem Schauraum entschließt.

Und Caramelle wieder seinem Tagwerk nachgeht, skizziernd, notierend, fotografierend dem Alltäglichen das Besondere abgewinnt. Die flüchtige Wandmalerei dient als Provisorium, den Status des Raumes und zugleich den seiner gegenwärtigen Wahrnehmung zu deuten.

(DER STANDARD, Print, Sa./So., 29.09.2001)
 

 Billig-Konservierung steht an der Tagesordnung

 Empfehlungen des Rückgabebeirats

 Wogendes Gedeixe unter Narrenkappen

  Konzeptänderung

 75 mal erschienen: "Camera Austria"

 Humor ja, Scherze nein

 Beuys posthum von Antisemitsmus- Vorwurf freigesprochen

 "Art Forum Berlin"

 Kunstkäufer für den reichen Erben

 Was westliche Kuratoren interessiert

 Versteinerter Sonnenstrahl

 Die älteste Gattung der Welt

 Freud, Verführung und Laserstrahlen

 Museumsgang in Zeiten der Verzweiflung

 Salzburg: Aufregung um Kunstexport

 "Fotografien aus dem Jahr 2000"

 Ein gläserner Saal, der golden glitzert

 Museumsquartier

Stadtplanung & Architektur

SONDERSEITE

MuseumsQuartier

Dokumenta

Jüdisches Museum Berlin

Ars Electronica 2001

Biennale von Venedig

Wiener Architektur- Wettbewerbe

Das KHM-Imperium

Wiener Künstlerhaus

derZustand.at

Guckhineinmuseum

Kalender

 KUNSTMESSEN 2001
 


 
 könig midas | 29.09. 13:31 antworten 
 
Und jetzt macht Markus Mittringer
(auch) in den Standard.

Sinnbilder, koprophagische Inszenierungen zur Verhältnislosigkeit von raumpostulierenden Elementen. Und eint intime Blicke auf historische Laster im öffentlichen Raum mit scheußlichen Platitüden zur objektiven Erfahrung.
Bis zur Kündigung, bis Oskar Bronner sich zu einem ihm adäquateren Umgang mit Lesern eines angeblichen "Qualitätsmediums" entschließt.
 
 jo ditz | 29.09. 16:18 antworten 
 
Re: Und jetzt macht Markus Mittringer
Na,na,
Man kann doch nicht so mit einem "Mitringer unseres nationalen Kulturkampfteams" umgehen...

Dessen olympisches Motto alleine ihn schon adelt:"Dabei sein ist alles! Aber zuerst fange ich mal mit dem Danebensein an."

Wo er doch von Mölzer bereits für den "grossen Bärentaler Hosenknopforden" vorgeschlagen wurde, wegen seiner ausserordentlichen Verdienste um logorrhöische Volksverblödung in Verbindung mit weggetretener Dummschwätzerei.

Wie man hört, will ihm auch die "Wiener Glaserinnerung" den "silbernen Scherbenhaufen" zugedenken. Wegen seiner besonderen Meriten auf dem Gebiete der selbstreflektionsfreien Spiegelfechtereien.
Denn dieser Mitringer kämpft hart im Sinne des nationalen Sparkurses! Wer ihm folgen kann, der hat endlich den glasklaren Beweis, dass jegliche kulturelle Aufwendung "durchs Fenster rausgeworfen" sein muss.

Denn wenn schon die alten Ägypter seinem Schaubedürfnis so wenig entgegenkommen, dann muss er sich halt selbst zur "Schau" machen, zum eigentlichen Thema, hinter der vorgetäuschten Rezensentenabsicht. Und nur der, der je um einen solchen Wortschatz mitgerungen hat, der weiss wieviel man dabei auf die Nuss bekommen kann...
 
 
 spott glied | 29.09. 11:59 antworten 
 
Mittringers Kunstenzyklopädie
Erscheint demnächst auch als Flyer, im Hosentaschenverlag: "Nachdem Giotto wieder in den realen Raum zurückgefunden hat, war bis Hodler Pause in der Wandmalerei."

Vielleicht beglückt er uns auch noch mit seiner "Zivilisationstheorie des Rades":
"Nachdem das viereckige Rad erfunden war, kam der große Fortschritt, in Form des dreieckigen Rades!
Statt viermal machte es auf der Fahrt nur mehr dreimal "Plumps". Und dann war bis Daimler erstmal Pause in der christlichen Fortbewegungsgeschichte."

Wann macht eigentlich Mittringer mal Pause? Findet er keinen anderen Job?
 

Die hier wiedergegebenen Kommentare werden von unseren LeserInnen selbst - im Wege elektronischer Datenübermittlung - veröffentlicht. Unsere Redaktion hat keine Möglichkeit, den Inhalt dieser Äußerungen vor deren Veröffentlichung zu prüfen oder darauf Einfluß zu nehmen. Diese Äußerungen geben demgemäß nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Kommentare mit beleidigendem Inhalt zu löschen.