| Erste Namen | |
|
Die Spekulationen um "documenta"-Künstler blühen. |
Okwui Enwzor ist nicht nur der erste
nicht-europäische documenta-Leiter, er hat auch organisatorisch neue
Zeichen gesetzt. Monate vor der eigentlichen Ausstellung in Kassel hat er
vier Diskussionsforen über den Globus verteilt, die das theoretische
Unterfutter der Weltkunstschau erarbeiten sollen. In der Kunstszene aber wächst die Ungeduld: Enwezor, so heißt es, möge
sich endlich einmal zu seinem künstlerischen Konzept äußern und - das vor
allem - die eingeladenen Künstler benennen. Doch bis zur offiziellen
Bekanntgabe im April 2002 will Enwezor schweigen. Nur so viel ließ er sich
bis jetzt entlocken: Rund hundert Künstler sollen es insgesamt werden, aus
allen Genres und von jedem der fünf Kontinente. Darüber hinaus sollen
allenfalls einzelne Namen im Voraus preisgegeben werden. Der Rest bleibt
den Spekulationen überlassen, die sieben Monate vor der Eröffnung bereits
prächtig gedeihen. "Leben in die Bude" Die in Regensburg erscheinende "Kunstzeitung" veröffentlichte eine
Liste mit rund 70 Künstlern als "vorläufige Mann- und
Frauschaftsaufstellung für die documenta 11" - zusammengestellt auf der
Grundlage von Gerüchten, Vermutungen und vertraulichen
Insider-Informationen. "Das sollte in erster Linie eine provokative
Maßnahme sein, um etwas Leben in die Bude zu bringen", erklärt der
stellvertretende Chefredakteur, Jörg Restorff. "Wir wollten etwas gegen
die Blockadepolitik der 'documenta' tun." Wie hoch die Trefferquote
wirklich sei, werde sich erst noch zeigen müssen. Wie im Fußball Weniger als 20 Prozent der Namen seien korrekt, meint dagegen
"documenta"-Sprecher Markus Müller, der den Vorwurf der Blockade nicht
verstehen kann: "Das ist wie im Fußball. Da gibt es auch Aufstellungen,
und die werden meist sogar erst am Tag des Spiels bekannt gegeben - und
zwar ohne dass sich jemand beklagt." Wer unbedingt schon jetzt Namen
wissen wolle, müsse zudem gar nicht spekulieren: "Die Künstler, die bei
den Plattformen aufgetreten sind, werden auch in Kassel dabei sein." Beispiele Bislang waren das nur zwei: der israelische Filmemacher Eyal Sivan, der
für seinen Film "Ein Spezialist" über Adolf Eichmann in diesem Jahr den
Adolf-Grimme-Preis erhielt, und der in New York lebende Chilene Alfredo
Jaar, der in seinen Installationen Elemente aus Fotografie, Architektur
und Theater verbindet und sich zuletzt in einem groß angelegten Projekt
mit dem Völkermord in Ruanda auseinander gesetzt hat. Dazu könnten einige
der knapp 30 Filmemacher kommen, deren Arbeiten im Rahmen der zweiten
"documenta"-Plattform im Mai in Neu Delhi gezeigt wurden - etwa der
Franzose Claude Lanzmann ("Shoah") oder Alexander Kluge ("Deutschland im
Herbst"). Weitere Hinweise Diese finden sich in einer Serie von Selbstdarstellungen eingeladener
Künstler, die die "documenta" zusammen mit der Mode-Boutiquen-Kette "agnès
b." in einer Auflage von 300.000 Exemplaren weltweit kostenlos verteilen
will. Zehn dieser Massenkunstwerke sollen bis zum Ende der Ausstellung
erscheinen. Das erste - ein achtseitiges Künstlerheft, das in Form und
Material an eine Werbebeilage erinnert - gestaltete der Schweizer Thomas
Hirschhorn. Er stellt darin sein 1999 in Amsterdam entstandenes Monument
für den Philosophen Spinoza (1632- 1677) vor. In Kassel will der
44-Jährige im kommenden Jahr ein "Bataille- Monument" errichten. documenta 11 Die elfte "documenta" soll vom 8. Juni bis zum 15. September 2002
dauern. Die 1955 von dem Kasseler Maler und Kunstprofessor Arnold Bode aus
der Taufe gehobene Ausstellung wird seit 1972 im festen
Fünf-Jahres-Rhythmus organisiert. Sie gilt als eine der weltweit
angesehensten und traditionsreichsten Ausstellungen zeitgenössischer
Kunst. Die Französin Catherine David, Leiterin der vergangenen "documenta"
im Jahre 1997, hatte die Weltkunstschau zu einem neuen Rekord von 631.000
Besuchern geführt und erstmals sogar einen satten Finanzüberschuss von 1,4
Millionen Mark (715.000 Euro) erwirtschaftet. Link: documenta
11 | ||