Artikel aus profil Nr. 21/2003
Raumvisionen

Das MAK zeigt die aufregenden Entwürfe und Bauten der Architektin Zaha Hadid.
Bauwerke, die rotieren, tanzen, explodieren! Zaha Hadid, 53, Irakerin, Architektin in London und zurzeit Gastprofessorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien, verstößt gegen alle Regeln, die von der Antike bis ins 20. Jahrhundert für Architektur galten: rechte Winkel, senkrecht-waagrecht, einfache Geometrie, feste Perspektive. Indem sie sich radikal über Regeln hinwegsetzt, kommt sie zu neuen Ordnungen, die an Landschaften erinnern: an Grate, Schluchten, Spalten oder Felstürme.

Eine große Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) bezeugt jetzt mit Modellen, Plänen, Großfotos, Zeichnungen und Malereien das Visionäre der Architektin und Stadtplanerin, ihre strikte und konsequente Verweigerung gegenüber allem eindimensional Zweckorientierten. Zaha Hadid schafft das Gegenteil von „Zweckbauten“, obwohl sie Zweck nie negiert, sondern auf verblüffende Weise neu und erweitert formuliert. „There are 360 degrees, so why stick to one“, lautet ihr Credo.

Das ist für viele Bauherren schwer zu begreifen, weshalb die bei Wettbewerben notorisch Erfolgreiche lange brauchte, bis sie zu Aufträgen kam. Hadids Visionen, die sie auch in Bühnenbildern und Kostümen und im Stage-Design für eine Tournee der Popgruppe Pet Shop Boys realisierte, werden im Zentrum der MAK-Ausstellung auf den Punkt gebracht. „Ice-Storm“ heißt die 300 Quadratmeter große Rauminstallation, eine fantastische Welt der Formen und Farben, die den Besucher zum Er- und Beleben einlädt.

Autor: Horst Christoph


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