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vom 28.01.2006 - Seite 004
Sollen die 5 Klimt-Bilder um jeden Preis in Österreich bleiben?

Heiße Diskussion nach dem Restitutions-Urteil

Vor etwas über einer Woche fiel die Entscheidung im Rechtsstreit um die Rückgabe von fünf Gemälden Gustav Klimts an die jüdischen Erben. Darunter befindet sich mit der so genannten "Goldenen Adele" auch eine wahre Ikone österreichischer Kunstgeschichte.

Kurz nach dem Urteilsspruch ist eine heiße Diskussion um einen möglichen Rückkauf dieser Bilder entbrannt, die einen Gesamtwert von rund 220 Millionen Euro repräsentieren. Ein Wirtschafts-/Banken-Konsortium will das Bild "Unterach" für Oberösterreich kaufen.

Die Symbole

Ja: +

Nein: -

Unentschieden: o

Ernst Balluf -

KÜNSTLER, LEITER DER ZÜLOW-GRUPPE

Nein! Denn das würde ja ein Vermögen kosten. Ich bin dafür, dieses Geld für bildende Künstler, die noch leben, auszugeben. Außerdem bin ich der Meinung, es ist egal, wo Kunstwerke dieser Dimension hängen. Denn es steht heutzutage ja jedem frei, sich in den Zug oder in ein Flugzeug zu setzen und irgendwohin zu reisen, wo solche Bilder zu besichtigen sind.

Mir persönlich ist es also völlig egal, wo die Klimt-Bilder hängen. Dass sich die Frau Minister Gehrer in der ganzen Sache nicht recht geschickt verhalten hat - nun, das ist wieder eine ganz andere Sache.

Es ist egal, wo diese Kunstwerke in Zukunft hängen.

Elisabeth Gehrer o

BILDUNGS- UND KULTURMINISTERIN (VP)

Das unabhängige Schiedsgericht hat entschieden, dass fünf Klimt-Bilder an die Erben der Familie Bloch-Bauer zurückgegeben werden sollen. Dem werden wir selbstverständlich Folge leisten. Mittel aus dem Budget für den Erhalt der fünf Bilder in Österreich sind nicht möglich.

Allerdings wird sich die Republik mit privaten Sponsoren für den Verbleib zumindest einiger Bilder einsetzen. Preise zwischen 150 und 200 Millionen Euro, wie in den letzten Tagen kolportiert wurden, sind aber auch von privaten Sponsoren nur sehr schwer aufzubringen.

Gehrer ist bereits seit elf Jahren Bildungsministerin.

Andreas Kupfer -

IFAU-GESCHÄFTSFÜHRER

Die Republik hat über Jahre Diebesgut ausgestellt und dafür kassiert. Es ist grundsätzlich beschämend, dass erst ein Gerichtsentscheid zur Rückerstattung der Klimt-Bilder an die rechtmäßigen Erben führt. Österreich sollte die Bilder nicht kaufen!

Ich wünsche mir die Klimt-Bilder in den Museen rund um den Erdball mit entsprechender Entschuldigung Österreichs als Begleittext. Und ich wünsche mir die 200 Millionen Euro für den Ankauf zeitgenössischer Kunst für Österreichs Museen und die Förderung junger Künstler.

Andreas Kupfer ist Leiter des Instituts für Umweltbildung.

Anita Binder o

TRAINERIN, KUNSTVERMITTLERIN

Es wäre schön, wenn ein Bild erhalten bleiben würde, vielleicht über Sponsoren oder Private.

Ich weiß, dass viele Menschen Probleme damit haben, wenn es um Millionen geht. Die Bilder um jeden Preis in Österreich zu halten, das wäre eine Machtdemonstration. Es darf nicht ums Besitzen müssen gehen. Mein Ansatz wäre deshalb zu versuchen, ein Bild zu behalten - als Wertschätzung dem Künstler gegenüber. Klimt bleibt aber auch Österreicher, wenn die Bilder woanders hängen. Klimt ist weltberühmt. Und seine Bilder sind Botschafter für Österreich in der ganzen Welt.

Die Seewalchenerin ist auch Klimt-Führerin am Attersee.

Stella Rollig -

DIREKTORIN KUNSTMUSEUM LENTOS, LINZ

Nein, sicher nicht. Die Klimt-Bilder "um jeden Preis" zu behalten ist ein Luxus, den sich das Land nicht leisten sollte.

Angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen vieler Kunstschaffender und WissenschafterInnen, der knappen Kassen von Universitäten, Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen wirkt bereits die Erwägung dieser Investition wie ein Affront gegen alle, die unter hohem Existenzdruck aktuelle und zukunftsorientierte Kulturarbeit machen. Die Klimt-Bilder werden ja nicht vernichtet, sobald sie Österreich verlassen!

Die Lentos-Chefin sieht den Klimt-Rückkauf als Affront.

Georg Emprechtinger -

UNTERNEHMER

Ich bin ein nüchterner Kaufmann und frage natürlich "Was ist der Wert?". Um jeden Preis, insbesondere wenn er deutlich überzogen und nicht marktgerecht ist, würde ich daher die Klimt-Bilder nicht in Österreich halten. Da wäre ich nicht einverstanden.

Allerdings bin ich Cosmopolit und sehe das nicht so eng. Klimt gehört uns ja nicht alleine. Wenn die Gemälde, auch das Bild "Unterach", in die USA kommen, ist das doch eine tolle Werbung für Österreich. Deshalb wäre es in meinen Augen auch kein Drama. Unser Lebensraum ist schließlich die Welt.

Der 47-jährige Innviertler ist Chef der Firma Team 7 in Ried.

Peter Assmann -

CHEF DER OÖ. LANDESMUSEEN

Jede Initiative ist zu begrüßen, die sich bemüht, dass die Klimt-Bilder in Österreich bleiben. Nicht aber "um jeden Preis", denn die finanziellen Dimensionen, die hier angesprochen wurden - und die auch einer Realität des Kunstmarktes entsprechen -, sind Zahlen, die für viele Menschen eine gleichsam "unangreifbare" Größe haben.

Außerdem sind nicht alle fünf Gemälde von gleicher kunsthistorischer Bedeutung. Ich bin überzeugt, dass es viele Kunstfreunde in Österreich gibt, die bereit sind, einen Beitrag im Sinne einer öffentlichen Zeichensetzung zu leisten.

Nicht um jeden Preis sollen die Bilder bleiben, sagt Peter Assmann.

Rudolf Leopold -

KUNSTSAMMLER, MUSEUMSDIREKTOR, WIEN

Um jeden Preis auf keinen Fall. Wobei ich ohnehin lediglich die "Goldene Adele" für einen Rückkauf empfehlen würde. Sie ist ein Unikum, auch in Bezug auf die Gestaltung ihrer üppigen, golddominierten Dekoration.

Die anderen Arbeiten, insbesondere die Landschaften, haben keinen außergewöhnlichen Wert. Da gibt es wesentlich bessere. Diese Arbeiten könnten ruhig in Amerika bleiben.

Sammler Leopold würde nur "Adele" zurückkaufen.

Margund Lössl o

GALERISTIN IN GMUNDEN

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust! Ich persönlich hätte sie schon gerne, die Klimt-Bilder. Aber 250 Millionen Euro als Kaufpreis sind zu hoch, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Republik uns immer sagt, wir müssten sparen. Je mehr über die Bilder geredet wird und je mehr sie in den Medien sind, desto höher wird aber der Preis.

Zu versuchen, die Kunstwerke als Leihgabe zu bekommen, wäre vernünftiger. Dann kann man Zeit gewinnen und eine bessere Finanzierung diskutieren.

Die Gmundner Geschäftsfrau betreibt die Galerie 422.

Josef Cap o

SP-KLUBOBMANN

Ich schließe mich dem Standpunkt des Sammlers und Museumsdirektors Rudolf Leopold an, wonach es in Wahrheit nur um ein Klimt-Bild gehe, um die Goldene Adele. Diese ist ein weltweites Kulturgut, Österreichs "Mona Lisa". Darum sollte man sich bemühen.

Was die Finanzierung angeht, bin ich offen für alle Vorschläge und Modelle. Österreich ist so stolz, eine Kulturnation zu sein, deshalb kommen auch viele Touristen ins Land. Hier geht es um unsere Identität. Deshalb lohnt es sich, ernsthaft über den Kauf der "Adele" nachzudenken.

Cap ist geschäftsführender SP-Klubchef im Nationalrat.


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