Kulturlandesrat Erwin Koler hat sich noch nicht entschieden, wer bei
der Kunstsammlung des Landes künftig das Sagen hat.
Artikeltext: Als "Zeichen der Offenheit" hat 2001 der damalige
Kulturlandesrat Günther Platter eine unabhängige Jury für die
Kunstankäufe des Landes installiert. Eine herzeigbare Landessammlung
sollte auf diese Weise entstehen, die die diversen Facetten der
wichtigsten zeitgenössischen Positionen sowie ihrer internationalen
Berührungspunkte und Vernetzungen reflektieren sollte.
Die Einsetzung dieser Jury, die im Zweijahrestakt wechseln sollte,
wurde damals nicht zuletzt deshalb von der kritischen
Kunstöffentlichkeit als Meilenstein empfunden, nachdem davor durch
Jahrzehnte die Kunsteinkäufe allein von einer Kulturbeamtin des Landes
getätigt und somit von ihrem subjektiven Kunstgeschmack geprägt wurde.
Unabhängige Juroren
International renommierte Ausstellungsmacher wie die Südtirolerin
Marion Piffer Damiani, der Wiener Thomas Trummer, die in Deutschland
umtriebigen Kuratoren Kathrin Rhomberg oder Veit Loers und der Kustos
für die Moderne Sammlung am Tiroler Landesmuseum Günther Dankl - der
als Insider der lokalen Szene nicht ausgewechselt werden sollte -
gehörten diesen Jurys an.
Um 160.000 Euro jährlich konnten sie Kunst einkaufen, wodurch zentrale
Arbeiten, u.?a. der Tiroler Heinz Gappmayr, Martin Gostner, Lois
Weinberger und Ernst Caramelle, aber auch von Franz West und Heimo
Zobernig in die Tiroler Landessammlung kamen.
Bestellung überfällig
Vor rund einem Jahr hat nun Erwin Koler Elisabeth Zanon als
Kulturlandesrat beerbt. Er müsste längst neue Juroren für die
Kunstankäufe nominieren, er tut dies aber nicht. Entsprechende
Kandidaten hätten sie dem Landesrat vorgeschlagen, so Dankl, geschehen
ist bis heute nichts.
Wie aus dem Büro des Kulturlandesrats zu erfahren ist, hat sich Erwin
Koler noch nicht entschieden, ob die Jury nachbesetzt werden soll, oder
ob die Kunstankäufe des Landes künftig von der Tiroler
Landesmuseen-Betriebsgesellschaft getätigt werden.
Ihr Geschäftsführer, Wolfgang Meighörner, ist der Ansicht, dass er und
seine Mannschaft durchaus die Kompetenz hätten, diese Ankäufe zu
tätigen. Wüssten sie doch am besten, wo die Lücken der vom Landesmuseum
verwalteten Sammlung lägen. Dass Meighörner diese Variante am liebsten
wäre, liegt auf der Hand, hat die Landesmuseen-Betriebsgesellschaft
doch kein eigenes Budget für Ankäufe.<
Autor: Von E. Schlocker Quelle: TT