Das Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) läutet eine neue Runde im Kampf um den von ihm geplanten Ausbau des Flakturms im Arenbergpark zu einem Contemporary Art Tower (CAT) ein: Im April hatte die Stadt die für das Projekt notwendige Flächenwidmung bis zur Abhaltung einer Volksbefragung ausgesetzt. Nun sammelt das MAK Unterschriften für die Wiederaufnahme der Flächenwidmung und übt Kritik an der Politik.
In jedem Falle scheint die Situation verfahren. Der begleitende Agendaprozess sei nicht am Museum gescheitert, unterstrich Barbara Redl vom MAK. Man sei zum politischen Spielball geworden und kämpfe nun, um die öffentliche Meinung für den CAT einzunehmen. Schließlich hoffe man sehr, dass eine Befragung noch heuer stattfinden werde.
Diese Hoffnung teilt SPÖ-Bezirksvorsteher Erich Hohenberger nicht. denn bevor die Volksbefragung stattfinden könne, muss die Finanzierung des Projekts geklärt sein. Auch Verkehrsfragen müssten noch geklärt werden. Zudem wisse man nicht, wie lange MAK-Direktor Peter Noever noch im Amt sei und wer nachfolge. Er fürchtet, dass das Projekt dann privat verkauft oder bis in die Nacht für Barbetrieb genutzt werde. Dies müsse alles geklärt werden - "wenn wir uns schon mit den Anrainern herumstreiten".
Noevers möchte jedenfalls, dass Bund und Stadt je 3,5 Mio. Euro für das Vorhaben zuschießen. Dazu wirbt der Museumschef für seinen Plan, im seit 1995 genützten MAK-Gegenwartskunstdepot eine Sammlung des 21. Jahrhunderts auf 12.900 Quadratmetern Ausstellungsfläche aufzubauen und den Gefechtsturm zu adaptieren.
Noevers Ideen beinhalten einen 90 Meter hohen "Medien- und Versorgungsturm" neben dem Bauwerk, dessen filigrane Stahlkonstruktion einen Aufzug, Fluchttreppen und mobil einschiebbare Bürocontainer vorsieht. Das Gesamtprojekt, das unterschiedlichste Zugänge und Kunstformen umfasst, soll Studios, Workshops und verschiedene informelle Treffpunkte für neue und traditionelle Medien bieten, weiters ein Auditorium, Ausstellungsflächen, Restaurants, ein Cafe und eine Bar.
Keine Bäume gefällt
Am 30. August lädt man unter dem Titel "Flak4Family" zur Familieninfo in den Flakturm und sammelt weiter Unterschriften. Im Begleittext zur Unterschriftenliste, auf der sich bereits knapp 850 Personen verewigt haben, kritisiert Noever die Politik, die gefordert sei, die Flächenwidmung wieder aufzunehmen: "Aus rein lokalen Überlegungen heraus nun die Chance auf dieses international viel beachtete Kunstprojekt zu vergeben, wäre, wenn auch eine österreichische Lösung, ein herber Verlust für Österreich." Zugleich verwahre man sich "gegen unwahre Behauptungen" vonseiten der Anrainerinitiative. So müssten für den CAT keine Bäume gefällt und keine Parkflächen geopfert werden.
Die Bürgerinitiative, die unter mittlerweile 536 und per Handlisten weitere 2.696 Stimmen gegen das Vorhaben versammeln konnte, spricht sich dagegen strikt gegen eine Flächenwidmung aus. Man befürchtet den Verlust von Grünfläche und einer Ruheoase sowie eine Verkehrsproblematik durch zusätzliche Besucher. "Mit den 'Massen' besteht die Gefahr der Bettler, Diebe, Suchtszene und vieles mehr ...", heißt es. Diese Mehrbelastung würde das Klima und soziale Gefüge nicht vertragen und somit zerstören.
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