Wie umgehen mit den folgen des Imperialismus?

Die mit Spannung erwartete Documenta11 wird diesen Samstag eröffnet.


Sie habe einen besonderen politischen Anspruch und setze sich mit der Krise nach dem Ende des Kolonialismus auseinander, sagte der aus Nigeria stammende Documenta-Chef Okwui Enwezor auf letzten Pressekonferenz vor Beginn der Schau. Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie mit den Zerwürfnissen in Folge des Imperialismus umgegangen werde, der kulturelle, soziale und wirtschaftliche Strukturen zerstört habe.

Eine politische Waffe könne die Documenta aber nicht sein, betonte Enwezor, der in New York lebt. Ähnlich wie die erste Documenta 1955 liege die elfte Weltkunstschau in einer Zeit historischen Zweifelns.

Das Fridericianum

Obwohl fast die Hälfte der rund 450 Kunstwerke in der erstmals genutzten Binding-Brauerei ausgestellt werden, ist die Kunsthalle Fridericianum nach wie vor das Zentrum der Documenta.

Kunsthalle Fridericianum / ©Bild: APA
Kunsthalle Fridericianum / ©Bild: APA

In keinem der anderen Ausstellungsorte ist die Vielfalt so groß wie hier: Dazu zählen die Dokumentation der Gründung einer Aktiengesellschaft durch die Berlinerin Maria Eichhorn, ein "Kontrabasssolo, opus 45" der Hamburgerin Hanne Darboven, das aus tausenden mit Zahlen beschrifteten DIN-A4-Bögen besteht, sowie das Projekt "One Million Years" des Japaners On Kawara, der Freiwillige in einem Glaskasten ununterbrochen Jahreszahlen vorlesen lässt.

Kontrabasssolo, opus 45 / ©Bild: APA
Kontrabasssolo, opus 45 / ©Bild: APA

Laufende und stille Bilder

Dokumentarische Aufnahmen mit gesellschaftskritischem Anspruch nehmen großen Raum ein. So zeigt der Nigerianer Muyiwa Osifuye Bilder vom Alltagsleben in der nigerianischen Hauptstadt Lagos, der Südafrikaner David Goldblatt führt das Nebeneinander von Armut und Luxus in Johannesburg vor.

Vom Bauen in Städten

Einen ähnlich großen Stellenwert hat die Auseinandersetzung mit Architektur und Stadtplanung. Der Niederländer Constant stellt mehrere Dutzend Entwürfe, Modelle und Gemälde seiner futuristischen Stadt "New Babylon" vor. Die Hamburger Gruppe Park Fiction zeigt Dokumente ihres Bürgerprojekts für einen Park im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

Der Kubaner Carlos Garaicoa zeigt seine utopischen Umbauvorschläge für Bauruinen in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

Skulpturen und Installationen sind weniger häufig vertreten, aber dafür recht spektakulär. Eindrucksvoll ist die begehbare Arbeit der Künstlergruppe Simparch aus Chicago: Was von unten wie eine monströse Holz-Skulptur wirkt, kann oben als Skateboard-Bahn benutzt werden.

Außenräume

Spiegelkabinett des Kanadiers Ken Lum / ©Bild: APA
Spiegelkabinett des Kanadiers Ken Lum / ©Bild: APA

Im Unterschied zu früheren Documenta-Ausstellungen gibt es in den Außenanlagen kaum etwas zu sehen. In den Weiten der Karlsaue stehen nur einige wenige Arbeiten, beispielsweise das Spiegelkabinett des Kanadiers Ken Lum und acht über den ganzen Park verteilten Audio-Video-Pavillons der in Österreich lehrenden US-Amerikanerin Renée Green. Außerdem hat der Berliner Aktionskünstler John Bock in der Karlsaue sein Domizil errichtet - mit einer Bühne für Performances und einem üppig gefüllten Requisitenfundus. Jede Aktion kann gleich auf Video festgehalten und vorgeführt werden.

Monument für Bataille

Das umfangreichste Außenprojekt kommt von dem Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn, der in einem Kasseler Problemviertel ein "Bataille Monument" in Erinnerung an den französischen Schriftsteller Georges Bataille errichtet. Junge Leute aus dem Viertel halfen beim Aufbau mehrerer Sperrholz-Pavillons, in denen unter anderem eine Bibliothek, ein Imbiss-Stand und ein provisorisches Fernsehstudio eingerichtet wurden.

Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung waren vielerorts die Aufbauarbeiten noch im Gange. Journalisten standen zeitweise vor verschlossenen Türen, weil Kunstwerke noch nicht auf ihrem Platz waren.

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