Secession: Hans Schabus und Manfred Willmann
Der Astronaut gräbt unterirdisch nach Utopia
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Wir müssen unsere Topografie schärfen und den
Orientierungssinn bei einem derzeitigen Besuch in der Secession
trainieren; aber nicht nur das. Hans Schabus hat mit der Neonschrift
"Astronaut" vor der Kuppel schon außen auf seine archäologischen Arbeiten
im Inneren des Hauses hingewiesen. Damit ist auch der Titel seines
Beitrags bis 27. April angesprochen, der aber dann noch die Begleitworte
"Komme gleich" trägt. Die Türen zum Ausstellungsraum sind mit Ziegeln
zugemauert; der Eingang muss erst gefunden werden: er führt vom Keller
durch geöffnete Gänge und Besenkammerln, Vorräume der Toiletten in einem
weiten labyrinthischen System über unbekannte Hinterstiegen dann
schließlich in den Hauptraum. Doch dieser ist mit einem völlig mit Pappe
ausgelegten und mit Neonröhren gleißend hell beleuchteten Einbau zur
genauen Kopie des Wohnateliers von Hans Schabus geworden. Doch darf man
diesen befremdlich utopischen Kulissenraum ohne Möbel auch wieder
verlassen und in zwei Seitenräumen die bekannten Filme zum "Dritten
Mann"-Tunnelsystem der Abwasserkanäle in Wien, die der Künstler für
"Western" mit einem Boot befahren hat, und den eigens gestalteten Film
"Astronaut" ansehen, bevor die in eine Richtung angegebene
Entdeckungsreise weiter und wieder einen Stock tiefer geht. Hier ist dann
ein brutaler Durchbruch dem Eindruck des zugemauerten Eingangs angepasst
und schließlich findet sich ein Weg in die Fotoausstellung "Das Land" von
Manfred Willmann in der Galerie, die ebenso als labyrinthischer Gang
gestaltet ist. Schabus' Beschäftigung mit dem frühneuzeitlichen
Erfinder des Magdeburger Experiments, Otto von Guericke, über kosmische
Wirkkräfte, Raum, Ort und Zeit führte ihn in eine Auseinandersetzung mit
der Leere, bzw. mit physischer Nähe und Durchleben der Gegensätze eines
wie hier unfassbar veränderten bekannten Ausstellungsraums. Erst von außen
kann der auf Ottakringer Bierkisten gestelzte Nachbau seines Ateliers mit
ebenfalls geschlossenen Fensternischen als ein Konstrukt wahrgenommen
werden; damit ist das selbstreflexive Potential seiner Kunst als
Archäologie und dädalischen Verfolgens des Ariadnefadens quer durch
soziale Zeiten und Räume erst verständlich. Kein Wunder, dass Schabus auf
der Manifesta IV in Frankfurt aufgefallen ist. Manfred Willmann zeigt
zwei Fotozyklen, die für den Herausgeber der Zeitschrift Camera Austria
bezeichnend sind: "Das Land" (1981 bis 1993) behandelt seine, von Wolfgang
Kos kongenial beschriebene Beschäftigung mit den sich auflösenden sozialen
Grenzen zur Stadt. Dabei sind Herausblitzen von Situationen und spezielle
Ausschnitte, die auch Intimität und Befremdung oder Schönes und Hässliches
nicht mehr polarisieren, typisch für die 135 quadratischen Abzüge. In
ihnen wird auch Reales surreal und Banales bedeutend, aber sie lechzen nie
nach Symbolismus und Allegorien wie bei Cibulka, der sich ähnliche
Situationen im Weinviertel so unterschiedlich gesucht hat.
Gegensätzlich widmet sich die Serie "Oman" im Grafischen Kabinett dem
panoramatischen großen Format und nicht nur etwa dem "Exotischen" eines
Reiseeindrucks, sondern dem mittig positionierten Horizont und spricht
damit wieder ähnliche Gedanken zum Raum an, wie sie Schabus durch die
Theorie eines Selfmade-Wissenschaftlers verfolgt.
Erschienen am: 13.03.2003 |
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Secession: Hans Schabus und
Manfred Willmann
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Zur Wiedereröffnung der Albertina
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