| Salzburger Nachrichten am 12. März 2005 - Bereich: kultur
Spiele mit Kunstgeschichte Das Museum der Moderne
auf dem Mönchsberg in Salzburg zeigt zum Thema "Frauen" Arbeiten von
George Condo und Pablo Picasso im Dialog.
KARL HARBSALZBURG (SN). Nach dem spektakulären "Einleuchten" und der
bestandseigenen "Vision einer Sammlung" muss sich das neue Salzburger
Museum der Moderne auf dem Mönchsberg nun ab heute, Samstag, im Alltag
beweisen, als großzügig bemessene Bildergalerie. Dafür hat Agnes Husslein,
in Kooperation mit der Kunsthalle Bielefeld und deren Direktor Thomas
Kellein als Kurator, Ölbilder und Grafiken von George Condo (geb. 1957)
ausgewählt. Der amerikanische Künstler genießt in Galerienkreisen seit
langem hohe Aufmerksamkeit, in Kunsthallen oder Museen war er bisher nicht
präsent. "100 Frauen" ist die erste retrospektiv angelegte Werkschau, die
durch ihre Themenvorgabe gleichwohl andere Segmente seines Schaffens, etwa
Landschaften, ausklammert. Condo treibt in seiner Malerei ein unverhohlenes Spiel mit der
Kunstgeschichte. Seinen Porträts oder Szenen sind alte und moderne Meister
"hinterlegt". Condo plagiiert sie nicht, er parodiert sie nicht, sondern
transformiert Stile und Persönlichkeiten in eigene Bildaussagen. Er malt
also nicht "à la" Velasquez, Mirò, Dali, Ensor oder, mit besonderer
Vorliebe, Picasso, nicht renaissancehaft, kubistisch oder surrealistisch.
Er benützt diese Meister und Kategorien vielmehr als gewitztes
Spielmaterial, um eigene Geschichten zu erzählen. Im Duktus bleibt er
altmeisterlich einer traditionellen Mal- und Kompositionstechnik
verpflichtet, trifft selbst zeithistorische Aussagen (etwa zu Terrorismus
und den Opfern des 9. September) mit klassischen Mitteln. Ganz
selbstverständlich bewegt sich Condo auch in den Medien altmeisterlich: in
Malerei, Zeichnung, Aquarell oder Skulptur. Dabei liebt er es auch,
Porträts oder Situationen grotesk bis ins Karikaturhafte zu übersteigern.
Dann schauen nicht nur großäugige Frauen den Betrachter an, sondern auch
wilde Fratzen oder schräge, verzerrte Comicfiguren. Der chamäleonhafte Auftritt dieses Kunst-Spielers wirkt auf den ersten
Blick irritierend. Condo hat eine malerische und erzählerische Pranke,
gewiss. Wie weit die zur Schau gestellte Souveränität aber auch
künstlerisch tiefgründig verwurzelt ist, wird nicht immer konsequent
deutlich. Anders gefragt: Ist George Condo mehr als ein Maler für die
Event-Gesellschaft? Der Vergleich macht sicherer: Picasso war ein meisterhafter,
verschmitzter, hintergründiger Spieler. Auch er war ein Chamäleon,
wechselte Techniken, Motive, Stile - und Frauen, die dem Meister Modell
für faszinierende Vexierspiele waren. Schier unerschöpflich sprudelte
seine Fantasie. Rund 50 grafische Blätter aus der Sammlung und als
Leihgaben (unter anderem aus Stuttgart und Wien) umspielen das Thema. Ob
sitzende Frau oder Cranach-Paraphrase, Köpfe oder Akte, Tänzerinnen oder
Fantasmagorien: Immer sind es virtuose Kleinodien - ein grafisches
Kabinett als feines Schatzkästlein. Ein eigener Raum für die Präsentation von Leihgaben der
Batliner-Stiftung setzt auch im großen Format hauptsächlich auf Picasso.
George Condo hat, von da aus betrachtet, keinen leichten Stand, passt aber
sehr gut dazu. |