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©Werner Büttner
Kunst spielt Fußball in "Rundlederwelten"
Seit Freitag stehen die Gruppenpaarungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland fest. In der Berliner Ausstellung "Rundlederwelten" finden Fußball und Kunst, Körper und Geist zusammen.

Die Schau im Berliner Martin-Gropius-Bau ist Teil des Kulturprogramms, das André Heller zur Begleitung der WM entwickelt hat. Mehr als 70 Künstler zeigen unter dem Titel "Rundlederwelten" ihre Assoziationen zum Thema Fußball.

Fußball ist eine weltumspannende Sache, eine internationale Sprache wie die der Kunst. Gleich zu Beginn empfängt ein lebensgroßer Fußballer in Abschusshaltung. Gefertigt aus Schuhzungen, sieht er aus wie ein schwarzer Papageno. "Penalty" (Elfmeter) nennt ihn Satch Hoyt.

Schwarz gegen Grau

Ingeborg Lüscher lässt Zürich gegen Sankt Gallen in Maßanzügen - Schwarz gegen Grau - spielen und zeigt dies im Video: Fußball und Management, zwei Welten, deren Beschreibung sich der Sprache einer dritten bedient - der des Militärischen. Eine Demaskierung durch Verkleidung, Klarheit durch Verfremdung.

Eine Rauminstallation als WM-Büro nimmt die Zukunft vorweg. An der Wand stehen die Ergebnisse des nächstjährigen Großereignisses in Deutschland angeschrieben: "Finale: Spiel 64, Datum: 9. 7., 20 Uhr, Argentinien - Deutschland, 2:3, Berlin" als letzte Eintragung. Was ist wahr, was Phantasie? In der Kunst ist vieles möglich, was der streng regulierte Fußball nicht kennt. Etwa wenn Massimo Furlan Szenen des Spiels Italien - Deutschland 1982 alleine im Stadion nachspielt.

Warhols Superman

Stefan Banz sponserte Leibchen für eine Juniorenmannschaft. Aber statt Werbung tragen sie Aufschriften von Künstlern und ihren Werken, etwa "Superman, Andy Warhol". Von Warhol ist auch dessen Porträt von Franz Beckenbauer zu sehen. Ein anderer Raum zeigt übergroße Porträts der deutschen WM-Spieler von 1974: Heldengalerie, sportliche Ahnenreihe oder Fußball-Walhalla?

Die Österreicherin Maria Lassnig zeigt in ihren Bildern, dass Fußball mehr ist als Körperertüchtigung für 22 Menschen, nämlich ein zwischenmenschliches Geschehen aus Macht, Selbstdarstellung und Erotik.

Lassnigs Landsmann Josef Dabernig zeigt im Film das Match gespiegelt in den Reaktionen des Trainers. Man hört den Fortgang des Spiels und sieht die Reaktionen des Regisseurs, dessen Truppe eine Stegreifvorstellung bietet.

Wo ist der Ball?

Nicht jedermanns Geschmack mag die Tischfußballkonstruktion Federico Arnauds sein, die wie ein gotisches Altärchen wirkt, mit wurmstichigen Heiligenfiguren als Spielern. Das Video von Maria Marshall zeigt einen Buben, der einen Ball an eine weiße Kirchenmauer, irgendwo unter südlicher Sonne, spielt. Man sieht den Schatten, hört den Aufprall - nur der Hauptdarsteller, der Ball, ist nicht zu sehen. Ein anderes Video zeigt aneinander geschnittene Fouls, eine Konzentration sinnloser Hinfälligkeit.

Die Annäherungen sind vielfältig, spiegeln aber die Faszination der Künstler wider. Fußball und Kunst: diesmal nicht als Gegensatz, sondern als reizvolle wechselseitige Bedingung.

Info: bis 8. Jänner, Mittwoch bis Montag, 10 bis 20 Uhr, dienstags geschlossen, außer am 27. 12. und am 3. 1.

OÖnachrichten vom 13.12.2005
 
   



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