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Kunstberichte

Expression und Pariser Bohème

Unteres Belvedere und Orangerie: Wiedereröffnung als Ausstellungsareal mit der Schau "Wien - Paris"
Illustration
- Beziehungsreichtum zwischen Wien und Paris zeigt das Untere Belvedere – und dabei auch Paul Gauguins „Faa Iheihe“ (1898).  Foto: Tate Britain London

Beziehungsreichtum zwischen Wien und Paris zeigt das Untere Belvedere – und dabei auch Paul Gauguins „Faa Iheihe“ (1898). Foto: Tate Britain London

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Durch den gelungenen Umbau des Unteren Belvedere rechts und links der Mittelachse und in Richtung Osten ist die Großausstellung "Wien - Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880-1960" möglich. Eigentlich ein Rückbau, besitzen die Räume doch nun wieder barocke Ausmaße und sind vor allem in der Höhe von Einbauten der letzten beiden Jahrhunderte befreit.

Mit 360 Werken, davon siebzig aus eigenem Bestand, vierzig internationalen Leihgaben – dabei allein dreizehn Hauptwerke des Musée d’Orsay in Paris –, wird hier der Austausch zwischen der Kunstmetropole Nummer eins und den Künstlern hierzulande in vielen Punkten neu beleuchtet.

Motor für Groß-Projekte

Natürlich ist bekannt, dass Paul Cézanne und Vincent van Gogh, aber auch die Kubisten oder Impressionisten in der österreichischen Moderne nicht wegzudenken sind und auch der wesentliche Impuls für aktionistische Malerei 1959 von Georges Mathieu in Wien Einzug hielt.

Genauere Nachforschungen über die Wechselwirkungen von Weltausstellungen in Paris 1900, 1925 und 1937 mit jenen in der Secession sind aber erst in den letzten Jahren ausgeweitet worden. Dabei spielte auch die Zusammenarbeit mit der Galerie Durand-Ruel eine Rolle, aber auch die Schau "Wien um 1900" vor einem Jahr im Musée d’Orsay. Dieser weite Bogen über fast ein Jahrhundert soll also auch als Motor zukünftiger Groß-Projekte dienen.

Die Kuratoren Matthias Boeckl und Franz Smola haben in fünfzehn Kapitel gliedern müssen – die Übersicht bleibt durch Themen und einige Saaltexte gewahrt, die Hängung lässt die Werke meist in einer Reihe für sich wirken, bei der neuen Saal-Höhe wäre eine mehrreihige, sprich Salonhängung zuweilen eine noch härtere Konfrontation gewesen.

Spannende Nachbarn

Gustav Klimt neben den Pointillisten ist ebenso überzeugend wie Broncia Kollers Orangenhaingemälde in dieser Nachbarschaft. Koller und so manche andere Künstlerin – von Helene Taussig über Franziska Zach, Helene Funke bis Greta Freist, Gerhild Diesner und Gisèle Celan-Lestrange – werden deutlich gewürdigt, dies gilt aber auch für ausgewanderte Kollegen wie Edgar Jené, Gustav Beck, Josef Floch und den Architekten Friedrich Kiesler oder den Surrealisten Wolfgang Paalen. Adolf Loos schließlich baute nach 1920 in Paris.

Manche Maler haben sich eng an die Pariser Szene ab Gustave Courbet über Pablo Picasso bis Pierre Soulages angeschlossen – so Josef Engelhart an Henri de Toulouse-Lautrec oder Funke und Taussig an die Fauves, aber auch Friedensreich Hundertwasser oder der frühe Arnulf Rainer an die Surrealisten. Die Rezeption von Cézanne in der Zwischenkriegszeit führt natürlich Herbert Boeckl an, direkt kopiert hat aber Anton Faistauer.

Kinetismus und Kubismus, Auguste Rodin und Anton Hanak, Henri Laurens und Josef Pillhofer, die frühe Kiki Kogelnik und die Konstruktiven – viele spannende Konfrontationen erwarten die Besucher in den neuen Räumen, die sich wie ursprünglich zum Ambraser Hof hin öffnen. Der eigentliche Impulsgeber der Schau war aber die 1903 daselbst eröffnete Neue Galerie, ein Vorzeigeprojekt für die Moderne in europäischen Museen.

Wien - Paris

Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880-1960

Matthias Boeckl und

Franz Smola (Kuratoren)

Unteres Belvedere

Bis 13. Jänner

Tel.: 01/79557

http://www.belvedere.at

Breite Vernetzung.

Dienstag, 02. Oktober 2007


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