Durch den gelungenen Umbau des Unteren
Belvedere rechts und links der Mittelachse und in Richtung Osten ist
die Großausstellung "Wien - Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs
Moderne 1880-1960" möglich. Eigentlich ein Rückbau, besitzen die Räume
doch nun wieder barocke Ausmaße und sind vor allem in der Höhe von
Einbauten der letzten beiden Jahrhunderte befreit.
Mit 360 Werken, davon siebzig aus eigenem
Bestand, vierzig internationalen Leihgaben – dabei allein dreizehn
Hauptwerke des Musée d’Orsay in Paris –, wird hier der Austausch
zwischen der Kunstmetropole Nummer eins und den Künstlern hierzulande
in vielen Punkten neu beleuchtet.
Motor für Groß-Projekte
Natürlich ist bekannt, dass Paul Cézanne und Vincent van Gogh, aber
auch die Kubisten oder Impressionisten in der österreichischen Moderne
nicht wegzudenken sind und auch der wesentliche Impuls für
aktionistische Malerei 1959 von Georges Mathieu in Wien Einzug hielt.
Genauere Nachforschungen über die Wechselwirkungen von
Weltausstellungen in Paris 1900, 1925 und 1937 mit jenen in der
Secession sind aber erst in den letzten Jahren ausgeweitet worden.
Dabei spielte auch die Zusammenarbeit mit der Galerie Durand-Ruel eine
Rolle, aber auch die Schau "Wien um 1900" vor einem Jahr im Musée
d’Orsay. Dieser weite Bogen über fast ein Jahrhundert soll also auch
als Motor zukünftiger Groß-Projekte dienen.
Die Kuratoren Matthias Boeckl und Franz Smola haben in fünfzehn
Kapitel gliedern müssen – die Übersicht bleibt durch Themen und einige
Saaltexte gewahrt, die Hängung lässt die Werke meist in einer Reihe für
sich wirken, bei der neuen Saal-Höhe wäre eine mehrreihige, sprich
Salonhängung zuweilen eine noch härtere Konfrontation gewesen.
Spannende Nachbarn
Gustav Klimt neben den Pointillisten ist ebenso überzeugend wie
Broncia Kollers Orangenhaingemälde in dieser Nachbarschaft. Koller und
so manche andere Künstlerin – von Helene Taussig über Franziska Zach,
Helene Funke bis Greta Freist, Gerhild Diesner und Gisèle
Celan-Lestrange – werden deutlich gewürdigt, dies gilt aber auch für
ausgewanderte Kollegen wie Edgar Jené, Gustav Beck, Josef Floch und den
Architekten Friedrich Kiesler oder den Surrealisten Wolfgang Paalen.
Adolf Loos schließlich baute nach 1920 in Paris.
Manche Maler haben sich eng an die Pariser Szene ab Gustave Courbet
über Pablo Picasso bis Pierre Soulages angeschlossen – so Josef
Engelhart an Henri de Toulouse-Lautrec oder Funke und Taussig an die
Fauves, aber auch Friedensreich Hundertwasser oder der frühe Arnulf
Rainer an die Surrealisten. Die Rezeption von Cézanne in der
Zwischenkriegszeit führt natürlich Herbert Boeckl an, direkt kopiert
hat aber Anton Faistauer.
Kinetismus und Kubismus, Auguste Rodin und Anton Hanak, Henri
Laurens und Josef Pillhofer, die frühe Kiki Kogelnik und die
Konstruktiven – viele spannende Konfrontationen erwarten die Besucher
in den neuen Räumen, die sich wie ursprünglich zum Ambraser Hof hin
öffnen. Der eigentliche Impulsgeber der Schau war aber die 1903
daselbst eröffnete Neue Galerie, ein Vorzeigeprojekt für die Moderne in
europäischen Museen.
Wien - Paris
Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880-1960
Matthias Boeckl und
Franz Smola (Kuratoren)
Unteres Belvedere
Bis 13. Jänner
Tel.: 01/79557
http://www.belvedere.at
Breite Vernetzung.
Dienstag, 02. Oktober 2007