Salzburger Nachrichten am 19. Februar 2005 - Bereich: kultur
Sammler-Surium

Das Sammlerpaar Essl zeigt im Schömer-Haus das, was es an "realistischen Tendenzen" der österrei- chischen Nachkriegskunst gesammelt hat.

HUBERTUS SEIDLKlosterneuburg (SN). "Nach einem Jahr abstrakter Kunst wollten wir etwas ganz anderes zeigen", sagt die Frau Professor bedeutungsvoll. Mit "ganz anders" meint Agnes Essl vor allem, den Blickpunkt der Ausstellung "Ir/real, Tendenzen des Realismus in Österreich ab 1945" auf die Malerei der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" zu richten. Die Schau ist bis 31. 1. 06 im Klosterneuburger Schömer-Haus zu sehen ist.

Damit aber nicht der Verdacht aufkommt, ein bisserl zu sehr in die Mottenkiste der österreichischen Nachkriegskunst gegriffen zu haben, werden auch jüngere Positionen gezeigt: So spannt die Ausstellung einen Bogen von den, bereits erwähnten "Phantasten" (Brauer, Hausner, Fuchs und anderen) bis zum "Hyperrealismus" eines Gottfried Helnwein und, in abgeschwächter Form, Zadrazil; zeigt aber neben "realistischen" Vertretern der 70er Jahre (Herzig oder Zeppel-Sperl) auch die Newcomer Johanna Kandl oder Katrin Plavcak.

Diese Künstlerinnen reflektieren in ihren Arbeiten gesellschaftspolitische Inhalte. In "Ich und mein Magnum" stellt Kandl die "kapitalistische Welt" der "kommunistischen" bildlich gegenüber - symbolisiert durch eine beliebte Eissorte und den "roten Stern". Die sadomasochistisch anmutenden Arbeiten eines Peter Sengl sind ebenso zu sehen, wie das verspielt wirkende "zweite Gesicht" eines Josef Bramer.

Agnes Essl hat selbst kuratiert und man hat den Eindruck, alles, was im Sammlungsspeicher irgendwie mit "Realismus" zu tun hat (Acryl, Öl, aber auch Farblithos), präsentiert zu bekommen. Unbestritten aber eine verdienstvolle Sache, wenn sich ein Unternehmerehepaar Kunst sammelt und sie der Öffentlichkeit zugänglich macht. Geöffnet Mo bis Fr 8 bis 18 Uhr, Eintritt frei, Internet: www.sammlung-essl.at.