| Salzburger Nachrichten am 27. Juni 2002 - Bereich: kultur
Das Jahr 2006 als Ziel
Gespräch zwischen Stadt und Land Salzburg über das Kunstzentrum
Mönchsberg. Konkrete Verhandlungen mit dem Bund sollen bis zum August
beginnen.
SALZBURG (SN-wth). Abgesehen von einigen Tönen, die polemisch hätten verstanden werden können, beurteilte Landeshauptmann Schausberger das Stadt-Land-Gespräch vom Dienstagabend positiv. Auf dem Tisch lag das Ergebnis der Überprüfung des Hollein-Projekts für ein Museum im Mönchsberg. Die Prüfer hatten - verkürzt dargestellt - die Baukosten nach oben und die Besucherzahlen nach unten revidiert. Darüber entspann sich eine Debatte. Bankier Heinrich Spängler, ein entschiedener Befürworter des Hollein-Projekts, ließ die Aussage der Gutachter, die von einer jährlichen Besucherzahl von 230.000 sprechen, nicht gelten. Schausberger betonte gegenüber den SN, dass die Überprüfung keinesfalls dafür gedacht war, das Vorhaben umzubringen. Vielmehr wollte man zusätzliche Entscheidungsgrundlagen erhalten. Man müsse für das Hollein-Projekt weiterhin den Begriff "Museum" anwenden, sagte Schausberger, weil nur auf Basis dieser Definition Förderungsmittel des Bundes zu erreichen seien. Eine der Grundlagen für diese Gespräche müsse eine Vereinbarung sein, die mit den drei Sammlungen, Eremitage, Guggenheim und Kunsthistorisches Museum, geschlossen wird, dass sie als Leihgeber für das Museum im Berg auftreten und welche Form die Kooperation haben werde. Der Landeshauptmann will am "Kunstzentrum Mönchsberg" festhalten, das heißt, dass das Museum auf dem Berg als Standort für das Rupertinum auf alle Fälle errichtet wird. Dazu will er von der Stadt die noch ausstehenden raumordnungspolitischen Verordnungen bekommen, nicht nur um mit dem Bau beginnen zu können, sondern auch rechtzeitig die Verbindungsmöglichkeit mit dem Museum im Berg vorsehen zu können. Den Vorschlag der Salzburger Kreditwirtschaft, das Museum im Berg als Bauherr zu übernehmen und nach Fertigstellung der Öffentlichkeit in einer Art Immobilienleasing zu überlassen, findet Schausberger "hochinteressant". Das sei eine Idee, die in die Gespräche mit dem Bund eingebracht werden könne. Denn Bundeskanzler Schüssel habe dazu aufgefordert, die Fantasie zu aktivieren. Unter der Federführung der Stadt solle eine Errichtergesellschaft für das Museum im Berg gegründet werden, die als Ansprechpartner für die Verhandlungen mit dem Bund fungieren kann. Zu den Gesprächen mit dem Bund soll es bis spätestens 30. August kommen. Schausberger will einen Beschluss der Landesregierung, der unter anderem die Fertigstellung des "Kunstzentrums Mönchsberg" bis 2006 festhält. Skeptisch äußerten sich die Grü-nen in einer Aussendung am Mittwoch zum Stadt-Land-Gespräch. Sie sprechen von einer Hinhalte-Strategie Schausbergers und fordern die Einstellung der Bauarbeiten für das Museum auf dem Berg. Der Bund habe seine Zusage, das Museum auf dem Berg mit 8,7 Millionen Euro mitzufinanzieren, an die Voraussetzung geknüpft, dass 50 Werke der Batliner-Sammlung dort hin kämen. Seit zwei Jahren sei aber nun von den Meisterwerken des Liechtensteiner Kunstsammlers Batliner keine Rede mehr. Eine verbindliche Zusage liege nicht vor. Es bestehe die Gefahr, dass der Bund seine Zusage auf Grund der fehlenden Voraussetzung zurückzieht. Weil der Bund klar zu erkennen gegeben habe, dass er sich nur an einem Museumsprojekt beteiligen werde, argumentieren die Grünen, sollte Salzburg die Chance nützen und sich für das bessere Projekt entscheiden.
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