Freier Eintritt für ständige Sammlungen an Sonntagen ab September
Die Museen der Stadt Wien wollen keine Heimatmuseen sein
Vor weißen Wänden präsentierte der seit 1. April amtierende
Direktor der Museen der Stadt Wien, Wolfgang Kos, sein Konzept und das
Programm für 2003. Das "Museumsnetzwerk mit dem Kraftwerk Karlsplatz" soll
Kunst im sozialen Zusammenhang zeigen und Wien in den internationalen
Vergleich stellen, statt ein Heimatmuseum zu sein. Kos möchte in den
kommenden fünf Jahren außerdem eine große Sammel-Offensive starten. Ab
September wird der Eintritt in alle ständigen Sammlungen an Sonntagen frei
sein, "denn die Sammlung ist Eigentum der Wiener", so Kulturstadtrat
Andreas Mailath-Pokorny (S). Das Programm für 2003 sei teilweise noch
von früheren Planungen bestimmt, "ein Übergangsjahr", so Kos. Ab Mai wird
die Hermesvilla mit Aquarellen und Zeichnungen des Wiener Biedermeiers
bespielt und ihre Geschichte beleuchtet. Die erste große Sonderausstellung
im Historischen Museum widmet sich dem Wiener Sammler in New York, Serge
Sabarsky. Im Atrium des Museums folgt eine kleinere Fotoausstellung zur
Wiener Verkaufs-Kultur. Ab Oktober porträtiert die Sonderausstellung
"Quasi ein Genie" im Historischen Museum Helmut Qualtinger, "den Virtuosen
des Grantelns", so Kos. In der Hermesvilla begibt man sich ab Oktober auf
eine "Orientalische Reise" durch das späte 19. Jahrhundert, und unter dem
Titel "Brutale Neugier" (ab Ende Oktober) sollen in einer Ausstellung im
Atrium des Historischen Museums die Produktionsbedingungen von
Medienbildern in Kriegszeiten anhand der Arbeit des Fotografen Walter
Henisch beleuchtet werden. Das Jahr beschließt eine Ausstellung im
Historischen Museum zum "Wiener Stolz" (ab November) mit Modellen zu den
Skulpturen des Wiener Rathauses. Als beispielhaft für die neue Linie
der Museen der Stadt Wien kündigte Kos für 2004 eine große
Doppelausstellung an. "Gastarbajteri" beschäftigt sich mit 40 Jahren
Arbeitsmigration in Österreich, gleichzeitig stehen Fotografien und ein
Dokumentarfilm von Lisl Ponger, "Fremdes Wien", auf dem Programm.
"Wolfgang Kos ist ein urbaner Vordenker, ein Generalist im besten
Sinne des Wortes", freute sich Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S)
über den neuen Leiter. Ziel eines Stadtmuseums sei für ihn, dass es sich
im Bewusstsein der Wiener als Kulturort verankere. Mit einem Zuschuss,
"oder besser einer Investition", so Mailath-Pokorny, von derzeit 14,95
Millionen Euro pro Jahr unterstütze die Stadt Wien ihre Museen. Mit
diesem Jahresbudget und einer bis 2007 gesetzlich festgeschriebenen
Valorisierung von 1,43 Prozent ist Kos sehr zufrieden: "Die Drohung, den
Betrieb schließen zu müssen, werden Sie aus diesem Haus in den nächsten
fünf Jahren garantiert nicht hören." Mit einer Sammlungs-Offensive möchte
er mit dem Sammlungs-Profil näher zur Gegenwart kommen, "aber nicht
einfach zum Billa gehen und alles kaufen". Die Städtischen Museen könnten
dann "mehr Rohstofflieferanten als End-Veredler" für andere Museen sein.
Kos mahnte "aus einer Position der Stärke" zur guten Zusammenarbeit.
Dringend notwendig sei eine Modernisierung und ein Ausbau der
Ausstellungsräumlichkeiten, was allerdings nicht mit dem operativen Budget
zu bestreiten sei. Für den von ihm gewünschten Ausbau des Karlsplatzes und
einer stärkeren Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus gebe es laut Kos
"deutlich positive Zeichen aus der Stadtregierung." Im Web: http://www.museum-vienna.at./
Erschienen am: 28.04.2003 |
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