Der Sturzhelm des Ikarus
(cai) Wer dauernd mit dem Kopf durch die Wand will, der könnte so
ein Ding gut gebrauchen (oder nimmt später halt ein Aspirin). Wer
besagten Körperteil freilich lieber in den Sand steckt, hat
eher einen Schnorchel nötig. Als einen Helm. Doch was stellt man bloß
mit einem für den Straßenverkehr eh nicht zugelassenen Motorradhelm aus
Plexiglas an? (Der Bud Spencer hätte den mit einem einzigen Schlag von
oben plattgemacht wie eine Kakerlake – mit seiner legendären "Faust für
ein Halleluja".)
Vielleicht ist das ja irgend so eine Braut-Probe. Und die Person,
der der Plexiglashelm passt (wie dem Aschenputtel der gläserne
Pantoffel), wird geheiratet. Allerdings passt er absolut jeder und
jedem. (Stichwort: Einheitsgröße.) Dann wär’ das also ein Plädoyer für
die bisexuelle Polygamie. Ähäm. Tja. Michael Strasser verwickelt
jedenfalls Sturzhelme in fantasiebeflügelnde Installationen. Zum
Beispiel: Eine senkrechte Stange, darauf, drehbar, eine waagrechte. An
deren einem Ende wiederum ein Sackerl voller Bücher, am andern ein
Helm. Ein Folterapparat? (Gesundheitsschädlich ist das garantiert.)
Wenn bei diesem klapprigen Mobile nicht dabeistünde "Flugsimulator",
würde man meinen, das sei ein Intelligenztest. Eine Art Waage, wo der
Verstand gegen Bücher aufgewogen wird. Und wer den Kopf in den Helm
steckt, fällt durch. Weil: Der ist ja nicht ganz bei Trost. Da es sich
aber vielmehr um einen Flugsimulator von entzückender physikalischer
Naivität handelt, sollte der "Pilot" wohl jetzt zu rennen anfangen,
immer im Kreis, schneller und schneller (denn: Was man nicht im Kopf
hat, muss man in den Beinen haben), bis er dank der Zentrifugalkraft
abhebt. Schon die Vorstellung erregt das Zwerchfell. Und die gschmackig
dynamischen Fotos, die jeden Helm in (mitunter naturgesetzwidriger)
Aktion zeigen, komplettieren die wohlige Ironie.
Startgalerie im Museum auf Abruf
(Felderstraße 6 – 8)
Michael Strasser
Bis 8. November
Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 16 Uhr
Beflügelnd.
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Die Windsbraut trägt Rot
(cai) Beim Anblick von Ona B. jauchzen die L-Zapfen. Nein,
das soll jetzt keine Anspielung sein auf Regungen einer gewissen
männlichen "Extremität". Außerdem sind die L-Zapfen (L wie "Libido")
bloß die rotempfindlichen Sehzellen. Und Ona B. verkörpert
die Farbe Rot ja geradezu. Ein riesiges chilischotenfarbenes Tuch aus
chinesischer Seide begleitet sie auf ihren Reisen. Da schlüpft sie dann
drunter und flirtet mit den Elementen, die dem Stück Stoff den Odem des
Lebens einblasen. Ästhetische Fotoserien und Videos bezeugen den
"schonenden Aktionismus". Auf einer Felswand in Anatolien (ach nein, dieses
Anatolien liegt in Vorarlberg) hat sie eine heftige Liebesszene mit dem
Wind, der mit seinen Böen . . . (das zensurier ich lieber weg). Ein
andermal flackert das Tuch (über die Schwimmerin geworfen) im Wasser.
So viel Röte war nicht mehr im Meer seit dem "Weißen Hai". Wenn man
nach Verlassen der Galerie über die nächstbeste Wurstsemmel herfällt:
Das ist normal. Liegt an der appetitanregenden Wirkung der Farbe Rot.
Atrium ed Arte
(Lerchenfelderstraße 31)
Ona B.
Bis 24. Oktober
Di. bis Fr. 14 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 14 Uhr
Mmmh!
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Bis zur Netzhautablösung
(cai) Wie einer, der mit den Fingern isst, um dem Essen besonders
nahe zu sein, steht auch der Maler Helmut Hable nicht auf "Besteck"
(nämlich den Pinsel). Ein Farbengrapscher eben. Zuerst wollt’ ich das
ja in die primitive Triebbefriedigungsmalerei einordnen. Das Wörtchen
"primitiv" nehm’ ich aber wieder zurück. Wegen der hübschen
rhythmischen Verdichtungen. Emil Eders betörend farbromantische
Überflugslandschaften und seine beglückend blauen Wasserbilder saugen
einem dann die Augäpfel aus den Höhlen.
Galerie Marschalek
(Amerlingstraße 17)
Emil Eder, Helmut Hable
Bis 10. November
Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 15 Uhr
Heterogen.
Mittwoch, 17. Oktober 2007