
Partymusik und Max Weiler. Clubbing und Albertina. Was für viele wie ein Scherz klingen mag, hat tatsächlich stattgefunden. Die sogenannten Art-Clubbings, bei denen lässig moderne Clubmusik von der Terrasse der Albertina bis in den Burggarten klingt, sollen dem Museum zu einem jüngeren Publikum verhelfen. Die Zutaten dafür sind Facebook, moderne Klänge und eben die Terrasse der Albertina, die für die richtige Atmosphäre sorgen soll.
Kann man die jungen Leute wirklich bloß über Partys in konservative Museumshallen locken? "Clubbings sind natürlich sehr geeignet, um die jüngere Zielgruppe zu mobilisieren. Junge Menschen sprechen ganz einfach auf andere Kriterien an als ein älteres Publikum", so David Kreytenberg, Projektmanager von Super-Fi, jener Agentur, die für die Albertina die Social Media-Aktivitäten betreut. So sei seit dem ersten Art-Clubbing in der Albertina das Publikum deutlich jünger geworden. "Das Feedback der Besucher ist sehr gut und auch die Nachfrage nach mehr ist vorhanden."
Die Werbung dafür findet übrigens ausschließlich über Facebook statt. So gab es beim letzten Clubbing rund 300 fixe Zusagen alleine auf der Social-Media-Plattform, weshalb es immer wieder zu Warteschlangen kam.
Disco und Kunst
Doch sind diese vielen jungen Leute bloß zur Unterhaltung da, oder sind
sie tatsächlich auch durch die Ausstellungsräume der Albertina spaziert,
die immerhin bis 21 Uhr geöffnet sind? "Die Besucherzahlen sind an den
Abenden, an denen das Clubbing stattgefunden hat, gestiegen", meint
Kreytenberg, der sich allerdings das Ziel gesetzt hat, "das nächste Mal
die Brücke zwischen den Art-Clubbings und dem Museum noch weiter
auszubauen. So hat man bereits etwa die Räume der Ausstellung mit Musik
beschallt und Initiativen dieser Art will man noch weiter einbringen.
"Die Albertina ist eine Institution, solide und über Jahrzehnte
etabliert. Unser Auftrag ist es, moderne Nuancen einzubringen, die dem
Charme der Albertina einen zusätzlichen Sex-Appeal verleihen", meint
Kreytenberg. Außerdem sei Direktor Klaus-Albrecht Schröder "sehr offen
dafür, mit seinem Museum moderne Wege zu gehen". Und es ginge auch um
die Nachhaltigkeit: Die jungen Besucher sollen eine positive Erinnerung
mit nach Hause nehmen, "um diese wieder abzurufen".
Im Vergleich zu vielen anderen Städten sei gerade Wien der geeignete Ort für solche Aktionen, da die Stadt "mit ihrer großen Kulturbegeisterung hungrig nach neuen Eindrücken ist und viel Abwechslung braucht".
Party unter Maria Theresia
Wie man hört, soll auch das Belvedere in Wien solche "Art-Clubbings"
planen, offiziell will man dies im Haus nicht bestätigen. Dort sei das
Interesse der jungen Generation ohnehin sehr groß. Nach der Einführung
des freien Eintritts in Bundesmuseen für Jugendliche unter 19 Jahren
verzeichnete das Belvedere im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr eine
Zuwachsrate von 62,4 Prozent der jüngeren Besuchergruppe. Und
Social-Media-Plattformen wie Facebook werden bereits genutzt, das will
man aber noch weiter ausbauen.
Über juvenilen Besuchermangel kann auch das Kunsthistorische Museum - ebenfalls ein Bundesmuseum - nicht klagen. Eventuell seien auch hier Clubbings geplant. Erst im September ließ die Sneak-Preview-Party aufhorchen. Dieses Fest zur Kunstkammer-Wiederöffnung im Jahr 2012 war eine Informations- und Spendenkampagne, die bis in die Nacht hinein am Maria-Theresien-Platz vor dem Kunsthistorischen Museum stattfand. Auch diese Abendveranstaltung wurde musikalisch untermalt. Und wie man hört sind weitere "Kunstkammer-Events" geplant. Ob diese Feste dann öffentlich sein werden, wie das am Maria-Theresien-Platz der Fall war, oder man eine Einladung brauchen wird, steht noch nicht fest.
Interaktive Tableaux Vivants
Indem ein entsprechendes Niveau bei den Clubbings eingehalten wird, soll
verhindert werden, das ältere Zielpublikum zu verschrecken. Offen sei
man jedenfalls für Veranstaltungen solcherart. Das Kunsthistorische
Museum macht überhaupt mit einem vergleichsweise frischen Programm auf
sich aufmerksam. Zum Beispiel mit dem Projekt "Ganymed Boarding", das
zuletzt im Frühjahr 2011 wiederholt stattgefunden hat. Hier wurden Texte
zeitgenössischer Autoren zu einem Gemälde gemacht und von Schauspielern
wie ein Tableau Vivant performt. Die Besucher werden somit beim
Rundgang durch die Gemäldegalerie mit verschiedenen Bühnen konfrontiert.
Aus dem Projekt hat sich ein Spin-off entwickelt, "Play Ganymed".
Jugendliche nähern sich hier einem Gemälde, indem sie dieses beobachten
und es ihnen von einem Schauspieler nahegebracht wird. Anschließend
folgt eine Diskussion mit einem Kunstvermittler. Dann sollen die
Jugendlichen noch selbst eine Skizze anfertigen und einen eigenen Text
zum Gemälde verfassen, um ihn dann selbst zu inszenieren - unterstützt
durch einen Regisseur.
Die Art-Clubbings in der Albertina werden jedenfalls auch nächstes Jahr wiederholt stattfinden. Und um die Wartezeit zu überbrücken, sind auch bereits weitere Events in diesem historischen Gebäude geplant.
Ob die sogenannten Art-Clubbings tatsächlich Zukunft in noch mehr Museen haben, hängt sicherlich auch davon ab, ob die Kunst durch die Musik, die Drinks und den Party-Beigeschmack nicht eher in den Hintergrund gedrängt wird.