Salzburger Nachrichten am 4. Februar 2005 - Bereich: kultur
Partner in Irkutsk

Salzburgs Sommerakademie für bildende Kunst baut Partnerschaften in Sibirien, Schanghai und Chicago auf. Mehr Chinesen denn je werden heuer unterrichten.

Hedwig KainbergerSalzburg (SN). "Jeder will nach Sibirien", berichtet Barbara Wally, Direktorin der Salzburger Sommerakademie für bildende Kunst, als sie von den Vorbereitungen der Sommerkurse in Ostsibirien erzählt. Dort werden von der Technischen Universität Irkutsk heuer erstmals Sommerkurse für Künstler angeboten. Die Salzburger Sommerakademie ist Vorbild und Mitorganisator. Aus Salzburg stammt das Konzept, und die Professoren werden von Barbara Wally bestellt. Dafür bekommt die Salzburger Sommerakademie ein Zehntel der Kursgebühr von 1000 Euro pro Student.

Für je dreiwöchigen Unterricht an der "Baikal-Sommerakademie" haben bereits Tone Fink, Susanne Tunn, Katharina Sieverding, Konrad Winter, Itsuko Hasegawa und Geoffrey Hendricks zugesagt. Die Akademie ist in einem Birkenwald 17 Kilometer südlich von Irkutsk - daher am Ort namens "Kilometer 17" - auf der Route Richtung Baikal-See. Zwischen 30. Mai und 10. Juli werden zwei Mal je drei Drei-Wochen-Kurse angeboten.

Die Beziehungen zur Technischen Universität Irkutsk würden seit fast einem Jahrzehnt gepflegt, berichtet Barbara Wally im SN-Gespräch. Der dortige Dekan habe einst an der Salzburger Sommerakademie studiert, seit 1993 besuchten jedes Jahr zwei Studenten aus Irkutsk die Architekturklassen auf der Festung. Wally beschreibt sie als "auffallend gute Leute".

Weitere Kooperationen bereitet die Salzburger Sommerakademie mit der Tsinghua Kemp University in Schanghai und mit den Zhou Brothers in Chicago vor. In Schanghai soll eine Sommerakademie für Architektur und Design entstehen. In Chicago bauen die Zhou Brothers ein Kunstzentrum auf, in dem es ab Herbst 2005 neben Ausstellungen oder einer Video-Lounge eine ganzjährige Schule geben wird.

Zhou Brothers, Ai Weiwei und Feng Mengbo Nicht nur in einer Kooperation mit Schanghai, auch im Salzburger Lehrplan zeigt sich die Bedeutung von Kunst aus China. Für Sommer 2005 sind vier Chinesen als Professoren eingeladen. Wie in den Vorjahren werden die Zhou Brothers drei Wochen lang Malerei auf der Festung unterrichten.

Erstmals wird heuer in Salzburg Ai Weiwei aus Beijing eine Klasse für Installation und Design anbieten. Ai Weiwei ist ein vielseitiger Künstler, der sich um Fotos und Videos ebenso kümmert wie um Architektur, Skulptur und Design. Für seine Kunst sammelt er auch Relikte aus alten chinesischen Tempeln, die Neubauten weichen müssen.

Ebenfalls Debütant als Professor der Sommerakademie wird Feng Mengbo, der Video und Electronic Art unterrichtet. Feng Mengbo befasse sich vor allem mit Videospielen, erzählt Wally. Was normalerweise auf dem Bildschirm gesehen und per Mausklick gesteuert werde, übertrage er in einen Raum. Wer den betritt, könnte mit Bewegungen seines Körpers Reaktionen des Programms auslösen: So würde ein Mensch zum Cursor. Feng Mengbo bearbeitet so herkömmliche Videospiele und entwirft neue Arten von Bewährungsproben.